Bayerische Meisterschaften: Sprintender Springer

Die Fürther Quellehalle war am Wochenende Austragungsort der Bayerischen Meisterschaften der Leichtathleten. Für viele Sportler der LG Stadtwerke München der erste ernsthafte Wettkampf in der noch jungen Hallensaison. Insgesamt konnten die Münchner 24 Medaillen mit nach Hause nehmen (7xGold, 10xSilber und 7xBronze).

Männer/Frauen

Die Sprintwettbewerbe waren schon in der vergangenen Saison eine Domäne der LG Stadtwerke München Athleten. Auch heuer wurde, trotz prominenter Abgänge, wie Tobias Unger und Marius Broening, in diesen Bewerben das häufigste Edelmetall errungen. Das 60m-Finale der Männer geriet dabei zu einer Art Vereinsmeisterschaft. Alle Podestplätze wurden nämlich team-intern vergeben. Ganz oben stand Weitspringer Oliver Koenig (6,95s) auf Rang zwei rangierte Neuzugang Christian Rasp (Foto, 6,96s) und Bronze ging an den erst 19-jährigen Philipp Gretz (7,08s). Mit Tobias Schneider auf Rang Fünf bestand damit die Hälfte aller Teilnehmer des 60m-Finals aus Münchner Athleten.

Ähnlich dominant sah es über 200m aus. Bei den Herren wanderten zwei von drei Medaillen in die Landeshauptstadt. Der tagesschnellste Sprinter über die Hallenrunde hieß Marcus Mikulla. Immer wieder hatte er in der Vergangenheit mit Problemen im Beuger zu kämpfen. Mit 21,75s zeigte er, was möglich ist, wenn  ein  Winter endlich einmal verletzungsfrei durchtrainiert werden kann. Philipp Gretz holte im 200m Sprint mit 22,21s seine zweite Medaille, und es hätte auch eine Dritte folgen können: Die mit Top-Besetzung startende 4x200m Staffel verpatzte weit in Führung liegend, den vorletzten Wechsel. Das Team mit Christian Rasp, Marcus Mikulla, Philipp Gretz und Tobias Schneider lief zwar noch zu Ende, wurde aber anschließend
disqualifiziert. Gerne dort mitgelaufen wäre auch Maximilian Bayer (Foto). Der Hürdenspezialist zog sich bedauerlicherweise beim Abschlusstraining am Freitag in der Lindehalle einen Faserriss an der Oberschenkelrückseite zu.

Keine 15 Minuten nach seinem Goldlauf im 60m Sprint musste Oliver Koenig schon wieder ran – nämlich im Weitsprung. Der 8m-Springer kam dort aus einem verkürzten Anlauf mit 7,26m auf den zweiten Platz. Bei seinem herausfordernden Tagespensum hat er sich „wohl gefühlt und ist zufrieden mit seinem Körper“. Koenig arbeitet hart im Training, um sich im Sommer den Traum von den Olympischen Spielen zu ermöglichen. Schon bei seinen nächsten Wettkämpfen darf man ihn dann ohne Vorbelastung und mit vollem Anlauf „wieder richtig fliegen“ sehen. Auf die Flugweite von 6,81m und den Bronzerang kam LG Neuzugang Patrick Stumpp. Erst nach über 14m zu landen war der eigentliche Plan des Dreispringers Florian Schäfer. Der junge Elektrotechnik-Student, kam auf 13,16m, was mangels Konkurrenz wenigstens die Bronzemedaille bedeutete.

In den technischen Disziplinen der Frauen gab es zwei weitere Male Silber. Stabhochspringerin Daniela Höllwarth haderte noch ein wenig mit ihren neuen Stäben. Ihre Einstiegshöhe von 3,80m meisterte sie aber auch mit dem neuen Arbeitsgerät, mit dem sie sich höhere Leistungen in der Zukunft verspricht. Mehrkämpferin Liane Weber musste sich mit 5,75m im Weitsprung nur Olympia-Aspirantin Michelle Weitzel (6,23m) geschlagen geben. Außerdem startete Weber über 60m (8,16s) und 60m Hürden (Platz 6; 8,79s). Ironie des Schicksals: auch im Hürdensprint kam sie einen Platz hinter Weitsprungkonkurrentin Weitzel ins Ziel.

Die erfolgreichste Frau im Team der LG Stadtwerke München war Karoline Pilawa (Foto). Sie lieferte sich über 800m einen packenden Schlussspurt mit der späteren Siegerin Fabienne Kohlmann (2:05,22min). Pilawas Zeit von 2:06,95min macht Hoffnung auf mehr, denn erfahrungsgemäß steigerte sie sich von Rennen zu Rennen. Der Einstieg mit neuer Hallenbestleistung ist geglückt und erhebt sie bei den Deutschen Meisterschaften (25/26.02.2012 in Karlsruhe) zur Medaillenkandidatin. Im 800m Feld erhielt sie Unterstützung von Katharina Heinle (Foto; 4.Platz in 2:12,18min) und Thea Heim (5. Platz in 2:14,70min). Ihre Schnelligkeit stellte Pilawa bei ihrem zweiten Start über 200m unter Beweis (5. Platz in 25,58s). In dieser Entscheidung liefen mit Mona Schilhanneck (25,38s), Julia Riedl (25,49s) und Lisa Schollbach drei weitere Neuzugänge auf die Plätze drei, vier und sechs.

Mit diesem Potential wurden die 4x200m Staffelläufe zu einer deutlichen Sache für das Team der LG Stadtwerke München. Angeführt von Julia Riedl lief das Team mit Lisa Schollbach, Mona Schilhanneck und Christina Muckenthaler mit deutlichem Vorsprung zu einer souveränen Goldmedaille.

Die Laufentscheidungen boten heuer ein enorm hohes Niveau. Geschuldet waren die schnellen Zeiten den Athleten Harrer, Pflieger und Orth aus Regensburg. Zweimal gelang es aber doch, die totale Dominanz der Oberpfälzer zu verhindern. Sebastian Hallmann (3000m in 8:11,32min) und Michael Wilms (1500m in 3:49,44min) durften sich bei der Siegerehrung zu den Regensburgern dazugesellen und jeweils Silbermedaillen in Empfang nehmen.

Ein Wiedersehen mit einem großen Teil der Athleten wird es bereits in einer Woche bei den Süddeutschen Meisterschaften in Sindelfingen geben. Besonders spannend wird die Frage sein, in welcher Verfassung sich die prominenteste LG Stadtwerke München Verstärkung David Gollnow dort präsentieren wird. Aufgrund des zurückliegenden Trainingslagers auf Teneriffa hat er bei den Bayerischen Meisterschaften noch von einem Start abgesehen.

U18

Vor allem das etwas kleinere Team der Unter-18-Jährigen zeigte Budenzauber unter dem Hallendach. 9 Medaillen (4xGold 3xSilber und 2xBronze) gingen auf das Konto der minderjährigen Sportler.

Der stärkste Nachwuchs-Athlet aus Sicht der LG Stadtwerke München bei den Bayerischen Meisterschaften war mit 2x Gold und 1x Silber Laurin Walter. Dabei startete der Wettkampf für den Dauerbrenner gar nicht optimal: Nach viel zu forschem Anfangstempo („23,3s nach der ersten Runde sind zu hart“) musste sich der Titelfavorit  über die 400 m mit der Silbermedaille zufrieden geben. In seiner Paradedisziplin wurde er auf der Zielgeraden vom Ingolstädter Michael Adolf niedergerungen. Die Enttäuschung über „nur Silber“ (51,05s) währte allerdings nicht allzu lange. Noch am selben Tag lief er als Schlussläufer der 4x200m-Staffel zu einer Goldmedaille. Am Sonntag folgte als „Sahnehäubchen“ eine Goldmedaille über 200m. Die Zeit von 22,91s ist sehr hoch einzuschätzen und bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Verbesserung um 0,8s.

Einen Doppelsieg feiern konnten die Kugelstoßerinnen. Dabei benötigte Nele Warneke für ihre Goldmedaille lediglich einen gültigen Versuch. Die Athletin des Landestrainers Joachim Lipske stieß dabei starke 13,23m.

Vier Zentimeter dahinter krönte die Zweitplatzierte Michelle Schneider eine überaus erfolgreiche Trainingswoche mit der Silbermedaille. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass sie eigentlich noch in der U16 startberechtigt wäre, aber schon jetzt mit ihren 13,19m bei der zwei Jahre älteren Konkurrenz vorne mitmischt.

Der männliche Hoffnungsträger im Münchner Kugelstoßnachwuchs ist schon seit Jahren Alan Vizjak. Er gewann seine Entscheidung souverän und feuerte das 5kg schwere Wurfgerät im letzten Versuch auf stolze 15,55m. Mit dem Titel und der Weite hat er sich ein erstes Saisonziel erfüllt. Es bleibt aber noch ein weiteres: 16,40m ist die Schallmauer, die es zu durchbrechen gilt, um zu den Deutschen Meisterschaften reisen zu dürfen.

Bei den Staffeln gab es im Gegensatz zu den Erwachsenen keine Ausfälle zu beklagen. Mit der Goldmedaille der Jungs (Daniel Troßmann, Johannes Rossgoderer, Michael Griessmair und Laurin Walter), sowie  dem dritten Rang der Mädchen (Catiana Rettenberger, Claudia Witte, Lea Rieger und Sina Heubel) über 4x200m präsentierten  die jungen LG Stadtwerke München Teilnehmer eine geschlossene  Mannschaftsleistung. Häufig gingen die Staffelläufer auch in anderen Einzeldisziplinen äußerst erfolgreich an den Start. Sina Heubel, Schlussläuferin der 4x200m Mädels, kam auch über die doppelte Distanz (400m) sehr gut zurecht. In 58,75s holte sie sich die Silbermedaille und stellte eine neue persönliche Hausmarke auf. Dem Startläufer der männlichen Sprinter, Daniel Troßmann,  gelang neben dem Staffelgold ein zusätzlicher dritter Platz im 60m Hürden-Finale (8,59s).

Gesamtbilanz:

Um bei den großen Highlights der Wintersaison (DM in Karlsruhe bzw. U18-DM in Sindelfingen) teilnehmen zu dürfen, bzw. konkurrenzfähig zu sein,  muss sich ein Teil der Athleten noch etwas steigern. Der Schwerpunkt allerdings sollte auf der entscheidenden Freiluftsaison liegen. Alles in allem darf die Gesamt-Bilanz mit insgesamt 24 Medaillen (15xAktive, 9xU18) bei den Bayerischen Hallenmeisterschaften als positiv gewertet werden. Im Vergleich dazu die Zahlen des Vorjahres: Damals konnte über lediglich 15 Medaillen berichtet werden, wovon spärliche drei aus der Jugend stammten. Unterm Strich heißt das, mehr Edelmetall bei den Erwachsenen – und die Medaillenausbeute bei der Jugend wurde sogar verdreifacht.

ErgebnisseBLV Tag1

DLV Tag1:, DLV Tag2

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