Der zweite Tag der deutschen Hallenmeisterschaften der Männer und Frauen in der Leipziger Quarterbeck-Arena war für das Team der LG Stadtwerke München ein wahrhaft goldener. Vor allem die letzten zwei Stunden gehörten – mit Ausnahme des Auftritts von Olympiasiegerin Malaika Mihambo – fast den Münchnern alleine. Innerhalb von nur 120 Minuten gelang es den Leichtathletinnen und Leichtathletinnen aus der bayerischen Landeshauptstadt, gleich vier Titel mit in die Heimat zu nehmen. Gleichzeitig bedeutete dies das bislang beste Ergebnisse für die LG Stadtwerke München bei Deutschen Hallenmeisterschaften. Weitere Topplatzierungen an beiden Tagen rundeten den wahrlich gelungenen Auftritt ab. „Wir freuen uns alle sehr über diese tolle Bilanz“, sagte LGSWM-Präsident Jochen Schweitzer. „Unsere Asse haben wie erhofft gestochen. Gleichzeitig gab es auch einige schöne, durchaus überraschende Platzierungen. Nun setzen wir alles daran, dieses Ergebnis im Sommer noch weiter auszubauen.“

Natürlich Katharina Trost, natürlich Christina Hering! Aber vor allem die Art, wie die beiden als Top-Favoritinnen an die Startlinie gegangenen Aushängeschilder der LG Stadtwerke München diesmal ihre Goldmedaillen herausliefen, beeindruckte jeden der rund 1500 Zuschauer, die zum ersten Mal seit langem wieder Zeuge von Leichtathletik-Titelkämpfen waren und zuvor ein streng ausgearbeitetes Hygienekonzept durchlaufen mussten. Zum ersten Mal hatten sich Trost und Hering nämlich entschieden, nicht gegeneinander anzutreten, sondern ihr Glück auf der 1500-Meter- beziehungsweise 800-Meter-Strecke zu suchen. Eine gute Entscheidung! Als für Katharina Trost um 14.54 Meter der Startschuss zu den 1500 Metern fiel, da war der großen Favoritin nicht nach Bummeln zumute. Zwar machte die Kölnerin Vera Coutellier noch bis 400 Meter die Pace, doch dann drückte die Grundschullehrerin mächtig aufs Tempo, führte eine Dreiergruppe an und machte dann nach knapp einem Kilometer mit einer Tempoverschärfung alles klar. 4:10,06 Minuten betrug ihre Siegerzeit, der Vorsprung auf Vizemeisterin Vera Coutellier (ASV Köln) betrug über drei Sekunden.

„Ich muss ehrlich sagen: In der Halle finde ich die 1.500 Meter deutlich entspannter“, erklärte Katharina Trost im Interview mit leichtathletik.de. „Weil da nicht ganz so ein Gerangel herrscht und man ein bisschen mehr Zeit hat, um nach vorne zu kommen. Das Ziel war, dass das Rennen heute nicht ganz so verbummelt wird. Ich hatte vorher mal gefragt, ob wir es ein bisschen schneller machen können. Ich bin mit den 4:10 Minuten voll zufrieden, ich hätte auch nicht erwartet, jetzt die 4:07 Minuten, mit denen ich angereist bin, noch mal zu unterbieten. Jetzt ist für mich eine kurze Verschnaufpause angesagt. In der Freiluftsaison würde ich gerne 800 und 1.500 Meter mischen. Die 800 Meter bleiben draußen meine Hauptstrecke – aber ich finde es schön, abzuwechseln. Wenn man zwölf-, 13-, 14-mal nur 800 Meter läuft, ist irgendwann auch die Luft raus.“

Erfreulicherweise war Trost, nicht die einzige LG-SWM-Läuferin in diesem Endlauf. Dafür qualifiziert hatte sich auch Nachrückerin Theresa Ortenreiter, die sowohl im Vorlauf (4:34,68 Minuten) als auch Final-Elfte (4:31,18 Minuten) jeweils Hausrekorde ablieferte.

Auch Christina Hering ließ sich nicht lumpen und tütete über 800-Meter ihren nunmehr sechsten deutschen Hallentitel ein. Nach einem ungefährdeten Vorlaufsieg (2:07,15 Minuten) diktierte sie im Finale vom Start weg den Rennverlauf und wehrte in der letzten Runde auf der Gegengerade entschlossen auch einen letzten Angriff der späteren Vizemeisterin Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler) ab. „Ich habe mit Majties Angriff gerechnet, weil sie auf jeden Fall mehr draufhat, als sie bisher gezeigt hatte.“, erzählte Hering im Anschluss an das Finale. „Für mich war klar, dass ich gleichmäßig laufe, damit ich am Schluss noch etwas zuzusetzen habe. Ich bin sehr happy mit dem Rennen und mit der Zeit, mir fällt ein Stein vom Herzen. Jeder Titel ist für mich wahnsinnig viel wert und ich bin jedes Mal total aufgeregt. Einfach weil die Deutschen für mich immer noch eine sehr große Bedeutung haben.“ Für Hering blieben die Uhren am Ende bei 2:02,88 Minuten stehen.

Den nächsten Münchner Meistertitel schnappte sich dann Hochspringer Tobias Potye, der von 2,10 Metern zum Anfang bis einschließlich 2,20 Metern alle Höhen auf Anhieb überquerte und damit seine gute Form andeutete. Die aufgelegten 2,23 Metern überquerte Potye dann im dritten Anlauf. Sein Meisterstück machte der Münchner im ersten Versuch über 2,26 Meter – eine Höhe, die außer ihm kein Rivale übersprang und bei der noch eine Menge Luft zwischen der Latte und dem Körper war. Auch Potyes Versuche über 2,28 Meter sahen nicht schlecht aus, aber die Latte fiel leider drei Mal. Im Gespräch mit leichtathletik.de ließ der nun zweifache Deutsche Meister (Halle und Freiluft) den Wettkampf wie folgt Revue passieren: „Das war heute ein klassischer Arbeitswettkampf. Aber ich habe gleich gemerkt, dass etwas geht und springen möglich ist. Ich habe etwas gebraucht, um das alles zusammenzusetzen und glücklicherweise hat es bei den 2,26 Metern dann endlich gepasst. Dieser Titel ist mir wichtig, weil eine Höhe dahintersteht, die halbwegs respektabel ist. Die Hallensaison war für mich eher übergangsmäßig. Alle meine Sprünge haben sich auf Wettkämpfe belaufen und endlich waren es genügend Sprünge, dass ich meinen Zugang wieder habe.“

Zweimal knapp an einer Bronzemedaille vorbeigeschrammt sind LG-SWM-Läufer in Sprintentscheidungen. Der erste war Aleksandar Askovic, der sich über 60-Meter nach persönlicher Bestzeit im Halbfinale (6,61 Sekunden – zugleich eine erneute Verbesserung seiner Norm für die Hallen-WM – im Endlauf dann auf Rang vier (6,62 Sekunden) einreihte. Nach einem furiosen Start hatte es bei dem Neu-Münchner sogar lange nach einem Titelgewinn ausgesehen. Auf den letzten Metern schoben sich allerdings seine Konkurrenten Lucas Ansah Peprah (Hamburger SV; 6,58 Sekunden), Kevin Krantz (Sprintteam Wetzlar; 6,59 Sekunden) und Owen Ansah (Hamburger SV; 6,61 Sekunden) noch an ihm vorbei. Dennoch lebt der Traum von einer Teilnahme an der Hallen-WM für Askovic weiter. Nachdem offenbar einige der vor ihm Platzierten ihre Teilnahme absagten, durfte er bereits die Teilnahme-Formulare für Belgrad ausfüllen. „Natürlich war ich nach dem Rennen extrem enttäuscht“, gestand der Sprinter. „Aber wenn das mit der WM doch noch klappen könnte, wäre das eine Supersache!“ Besonders würde er sich freuen, vor seiner Familie laufen zu können, denn ein Teil davon lebt noch in Serbien, sagt der gebürtige Belgrader.

Wie stark die 60-Meter-Konkurrenz besetzt war, zeigte sich bei Yannick Wolf, der mit 6,73 nicht in den Endlauf kam und Platz neun im Gesamtklassement belegte.

Das gleiche Schicksal mit Rang vier ereilte Vincente Graiani, der über 200-Meter im Endlauf 21,30 Sekunden brauchte. Traurig war der junge Münchner aber nicht, stellte er im Halbfinale mit 21,28 Sekunden doch eine persönliche Bestzeit auf. Graiani startete weiterhin über 400-Meter und verfehlte mit der siebtschnellsten Halbfinalzeit (47,73 Sekunden) den Endlauf der Top sechs knapp.

Erfüllt haben sich zum Abschluss dann auch die LG-SWM-Titelambitionen im 4 × 200-Meter-Staffellauf der Frauen. Marina Scherzl, Svenja Pfetsch, Tina Benzinger und Amelie Sophie Lederer brauchten für ihre vier Bahnumrundungen insgesamt 1:35,60 Minuten und verwiesen den TSV Bayer Leverkusen (1:35,92 Minuten) auf Rang zwei. Abgesehen vom zweiten Wechsel gab es gute Übergaben des Staffelstabes und am Schluss sogar ein paar Tränchen bei den überglücklichen Münchnerinnen, mit denen sich auch U 20-Sprinterin Sabrina Hafner als fünfte Läuferin freute.

Gleich vier schnelle LG-SWM-Athletinnen mischten in den Sprintentscheidungen mit. Tina Benzinger (7,47 Sekunden) und Svenja Pfetsch (7,55 Sekunden) waren in 60-Meter-Halbfinals im Einsatz, an denen auch die vorjährige deutsche Meisterin Amelie-Sophie Lederer teilgenommen hat. Lederer qualifizierte sich mit 7,40 Sekunden auch heuer wieder für den Endlauf, den sie als Fünfte abermals mit 7,40 Sekunden abschloss.

Über 200-Meter hätten sich sowohl Pfetsch (24,11 Sekunden) als auch Lederer (24,08 Sekunden) nach den Halbfinals aufgrund des Verzichtes einiger schnellerer Rivalinnen jeweils ein Startrecht fürs Finale sichern können. Doch beiden verzichteten ebenfalls, um Kräfte fürs Staffelrennen zu sparen. Sabrina Hafner kam über 200-Meter mit 25,17 Sekunden schließlich auf Platz 15.

Erfreuliches zu vermelden gab es auch von Kugelstoßer Joel Akue, der erst kurzfristig ins Teilnehmerfeld nachgerückt war und in seinem ersten Jahr in der Erwachsenklasse als Siebter mit Hausrekord von 18,19 Metern schöne Zukunftsperspektiven aufzeigte. Er qualifizierte sich für den U23-Europacup.

„Ich bin super glücklich mit dem Abschneiden meiner Athletinnen und Athleten in Leipzig“, zeigte sich auch LG-SWM-Geschäftsführerin Julia Riedl bei ihrer Hallen-DM-Premiere zufrieden. „Alle waren hoch motiviert, jeder hat seine beste Leistung abgerufen und die Stimmung im Team war hervorragend. Ich freue mich schon sehr auf die Sommersaison, die einige Highlights in München zu bieten hat, wie das Ludwig Jall Sportfest am 29. Mai und die EM „dahoam“ im August.“

Für die meisten Aktiven des LG-SWM-Teams ist die Hallensaison nun beendet. Christina Hering läuft am Mittwoch ihren letzten Wettkampf bei der World Indoor Tour in Madrid. Hering und Trost werden auf einen Start bei der Hallen-WM in Belgrad verzichten.

 

Fotos: Theo Kiefner