Ende März, Anfang April – Trainingslagerzeit für Leichtathleten. Auch die Athleten der LG Stadtwerke München sind unterwegs und berichten aus ihren Trainingslagern.

Teil 2 der Serie aus Cervia (Italien).

 

Infekte und Intervalle in (Bella) Italia

Mannschaftsfoto im WassergrabenDieter Kloos war bereits zum 24sten Mal im Ostertrainingslager in Milano Marittima, aber so miese Wetterprognosen hatte der LG-Langstreckentrainer für den Küstenstreifen der Emilia Romagna noch nie zu verkraften: Ein Rainings-Lager war zu erwarten, mit Temperaturen deutlich unter der 10 Grad-Marke. Also alles andere als sonnige Aussichten für Umfänge zwischen 150 und 200 km in neun Tagen. Mitgereist waren fast 30 Athletinnen und Athleten, von ambitionierten Freizeitläufern, bis hin zum mehrfachen deutschen Altersklassenmeister Harald Seidl oder dem frisch gekürten deutschen Crossmannschaftsmeister Max Meingast. Die alle hatten sich nach harten Einheiten im deutschen Winter eigentlich auf frühlingshafte Bedingungen in Italien gefreut; vergeblich. Da neben gutem Essen aber auch Getränke gereicht wurden aus Trauben, die im letzten Sommer viel Sonne gesammelt hatten, blieb die Stimmung doch nicht allzu trübselig.

Überraschenderweise war es dann aber gar nicht so sehr der Regen, der das Laufprogramm erschwerte: Der hielt sich nämlich gerade bei den kritischen Tempoeinheiten verständnisvoll zurück, und Trainer Kloos – kaum weniger verständig – passt die Kursetzung im Pinienwald den Bodenbedingungen so flexibel an, dass die Intervalle und Tempoläufe ohne allzu vertiefenden Bodenkontakt absolviert werden konnten. Dass bei Tempointervallen mit Umfängen von bis zu 15 bzw. 16 km die Beine dann auf dem Waldboden am Ende trotzdem schwer wurden, war ja durchaus gewünscht. Als letztes Intervalltraining gings ja ohnehin wie immer auf die Bahn, zum klassischen 10 x 1.000m. Um auch das nicht zu langweilig werden zu lassen, setzte Dieter Kloos zumindest für die Spitzenläufer den Zwischentrab so knackig an, dass z.B. Max Meingast die ersten 10 km einschließlich Trabpausen in 32 Minuten absolvierte. Aber man musste ja auch etwas bieten, wenn man auf einer Bahn zusammen mit einem ganzen Haufen bayerischer und baden-württemberger Spitzenathleten trainierte – Allen voran Olympiateilnehmerin Corinna Harrer.

Max Meingast bei TempoläufenÜberhaupt war Flexibilität und Anpassung im Trainingsplan Trumpf: So gab es getrennte Vorgaben für die drei Marathonis, die vier Halbmarathoninnen, und den Rest der „normalen“ Langstreckler. Daneben fanden sogar noch ein paar Langsprinter eigenen Aufgaben für sich vor. Statt der geplanten Circeltrainings am Strand gab es diesmal Indoor-Variante im nahen Fitnessstudio. So viel Nachsicht hatte das Wetter dann doch nicht mit der Läuferschar.

Aber wie gesagt, war es am Ende gar nicht das Wetter, das am meisten Sorge machte; sondern ein Magen-Darm-Infekt, der ein Drittel der Gruppe dahin raffte. Besonders schade war, dass die Betroffenen dazu neigten, das vorzügliche Essen des Hotels sehr schnell und regelwidrig wieder los zu werden. Zum Glück war auch hier Schnelligkeit in mehrfacher Hinsicht Trumpf: Nach einem Tag Krankenlager ging´s meistens schon wieder aufwärts. Außerdem gab es dann am Ostersonntag ein ganz besonderes Geschenk: Sonnenschein zum langen Lauf und Temperaturen, die ganz zaghaft in den zweistelligen Bereich geklettert waren.

Auch wenn sich „bella Italia“ diesmal nicht von seiner schönsten Seite zeigte: Die Trainingsleistungen waren stark und die Prognosen für die kommenden Wettkämpfe sind gut. Max dürfte für seinen Marathon in Düsseldorf ebenso gut gerüstet sein, wie für die am 14. April anstehenden deutschen Halbmarathonmeisterschaften in Refrath; mit seiner Form  dürfte er sowohl in der Einzelwertung weit vorne liegen, als auch mit den Begleitern Müller und Hillebrand Ambitionen in der Mannschaftswertung geltend machen. Nicht zuletzt das mit der Mannschaftswertung gilt auch für die drei starken Italienfahrerinnen Julia Scholz, Petra Stöckmann und Yvonne Kleiner, die ggf. sogar noch durch Julia Weniger verstärkt werden. Ebenfalls am 14. April wird auch Altmeister Harald Seidl an den Start gehen, allerdings beim Rotterdam-Marathon, wo er in seiner Altersklasse auch international ganz vorne mit dabei sein dürfte. Aufgrund der guten Arbeit im Trainingslager, die weder durch Wetter noch durch Viren gebremst werden konnte, dürfte aber für alle Beteiligten gelten: Nachhaltig infiziert wurde man eh nur – einmal mehr – mit dem Laufvirus.

(Bilder folgen)