Insgesamt zehn Nachwuchssportlerinnen und -sportler der LG Stadtwerke München waren am Wochenende zur zweitägigen Bauhaus Juniorengala nach Mannheim gereist. Für einen Einzelstart bei den U20-Europameisterschaften im schwedischen Boras (18. bis 21. Juli) forderte der einladende Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) neben der im Nominierungszeitraum zu erbringenden Mindestleistung auch eine Top-drei-Platzierung bei diesem Ausscheidungswettkampf. Zum Europäischen Olympischen Jugendfestival nach Baku (Aserbaidschan; 21. bis 27. Juli) soll je Disziplin nur maximal ein DLV-Aktiver mit erülltem Qualifikationsstandard reisen dürfen – bevorzugt werden auch hier die Siegerinnen und Sieger aus dem Michael-Hoffmann-Stadion. Etliche Münchnerinnen und Münchner unterstrichen in der Quadratestadt ihre Zugehörigkeit zur nationalen Spitze. Gewissheit über die Vergabe internationalen Startplätze wird der deutsche Spitzenverband in den nächsten Tagen geben.

Elisabeth Hafenrichter von der LG Stadtwerke München
Münchens starke Speerwerferin Elisabeth Hafenrichter bei einem Länderkampf-Einsatz im Berliner Olympiastadion 2018, Foto: Theo Kiefner

Von den sechs Startern der LG SWM in der U20-Altersklasse reisten Elisabeth Hafenrichter, Linus Limmer (beide Speerwurf) und Fabian Olbert (100 Meter) bereits mit erfüllter Normanforderung an und konnten sich somit voll und ganz auf ihre Wettbewerbe konzentrieren. Speerwerferin Elisabeth Hafenrichter gelang dies bestens. Die deutsche Vizemeisterin des Vorjahres lieferte im vierten Durchgang eine Weite von 49,67 Metern ab und platzierte sich somit in der Endabrechnung auf Rang drei hinter Leonie Tröger (Hallesche LA Freunde/53,94 Meter) und Julia Ulbricht (1. LAV Rostock/51,78 Meter). Linus Limmer hingegen, der seinen 800-Gramm-Speer im Mai bereits auf 70,26 Meter katapultiert hatte, kam mit der Anlage in Mannheim nicht gut zurecht, rutschte mit dem Stemmbein gleich im ersten Durchgang leicht weg und konnte in der Folge nicht mehr befreit auftreten. Mit 66,05 Metern landete er in einem internationalen Feld schließlich auf Rang acht.

Fabian Olbert von der LG Stadtwerke München
Kurzsprinter Fabian Olbert empfiehlt sich in Mannheim für weitere internationale Aufgaben, Foto: Claus Habermann

100-Meter-Ass Fabian Olbert erhielt nach 10,62 Sekunden (-0,8 Meter/Sekunde) im Vorlauf einen Startplatz im A-Finale, das, so lautete eine Information an die Verantwortlichen wenige Stunden vor dem Wettbewerb, anders als üblich gleichberechtigt zum B-Finale in die Wertung um die EM-Startplätze eingehen sollte. Abermals mit Gegenwind (-0,7 Meter/Sekunde) sprintete Olbert hinter Nick Kocevar (TSV Bad Endorf, 10,55 Sekunden) und Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV, 10,56 Sekunden) nach 10,64 Sekunden vielversprechend als Dritter durchs Ziel. Doch für die Vergabe der Einzelstartplätze für Boras sollte dann auch noch das Ergebnis des zweiten Endlaufs berücksichtigt werden. Diesen gewann Simon Wulff vom Dresdner SC in 10,45 Sekunden mit leichter Windunterstützung von 0,3 Metern pro Sekunde. Zuvor hatte Wulff im selben Vorlauf mit Olbert 10,75 Sekunden abgeliefert. In Summe der beiden Finals sich hat der 18-Jährige Münchner, der sich in diesem Sommer bereits auf 10,47 Sekunden gesteigert hatte und gleichzeitig noch dem jüngeren U20-Jahrgang angehört, in Mannheim auf Rang vier unter den DLV-Athleten platziert. Am Sonntag kam Olbert noch als Schlussläufer der zweiten U20-DLV-Staffel zum Einsatz. Auch als Teil eines Quartetts hat der EM-Fünfte und Sechstplatzierte der Olympischen Jugendspiele des Vorjahres sein Können und seinen Wert bereits mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Yannick Wolf von der LG Stadtwerke München
Trotz Schulter-OPs gewinnt Yannick Wolf zum zweiten Mal hintereinander den Ausscheidungswettkampf von Mannheim – und bleibt wohl dennoch ohne internationalen Startplatz, Foto: Theo Kiefner

Bereits in den beiden Vorjahren hatte sich der Münchner Weitspringer Yannick Wolf in aussichtsreiche Position um einen internationalen Startplatz gebracht. 2017 wurde Wolf zunächst ein Startplatz bei der U18-WM in Nairobi in Aussicht gestellt, wenige Tage später entschied der Bundesausschuss Leistungssport jedoch anders und der Münchner blieb als Ersatzmann zu Hause – beim Saisonfinale wurde er dann Deutscher Meister. Im Vorjahr gewann der 19-Jährige den Ausscheidungswettbewerb in Mannheim, verfehlte einen Startplatz bei der U20-WM in Finnland jedoch um winzige zwei Zentimeter, die zur Norm von 7,55 Meter fehlten. In diesem Jahr gewann Wolf erneut die U20-Konkurrenz in Mannheim, hatte bei seinem Versuch auf 7,54 Meter jedoch etwas zu viel Rückenwind (+2,3 Meter/Sekunde), weshalb unerheblich ist, dass er diesmal nur einen Zentimeter unter der Normanforderung für Boras blieb. Wolfs Comeback nach zwei schweren Schulterverletzungen mit monatelanger Reha ist indes beachtenswert. Mit 7,41 Metern hatte er vor zwei Wochen Bronze bei den deutschen Juniorenmeisterschaften gewonnen und sich damit in der nationalen Spitze zurückgemeldet. In Mannheim hat er wiederholt bewiesen, dass er abliefern kann, wenn es von ihm gefordert wird. Der zweiplatzierte Bennet Vinken vom Hamburger SV, der die EM-Norm im Vorfeld bereits erfüllt hatte, konnte zwar dieselbe Weite aufweisen (7,54 Metern, +2,0 Meter/Sekunde), Wolf hatte indes den besseren zweitbesten Versuch (7,31 Meter) in die Grube gebracht. Dreimal hintereinander derart knapp an einem internationalen Startplatz vorbeizuschrammen, ist bitter für den Schützling von Richard Kick. Der Fokus liegt nun auf den deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm Ende Juli.

Selina Dantzler von der LG Stadtwerke München
Erstmals in ihrer Karriere wird Selina Dantzler von einer Verletzung ausgebremst, Foto: Theo Kiefner

Nach einer Knieverletzung zeigte sich auch Kugelstoßerin Selina Dantzler als Drittplatzierte von Mannheim deutlich verbessert. Mit 14,95 Meter lieferte die U18-Weltmeisterin von 2017 ihr bestes Ergebnis innerhalb des Nominierungszeitraums, blieb jedoch fünf Zentimeter unter der Boras-Vorgabe. Eine Woche vor Beginn des offiziellen Qualifikationszeitfensters hatte Dantzler während ihres USA-Studiums die Mindestanforderung mit einem Stoß auf 15,20 Meter bereits deutlich übertroffen. Zweifel an einem weiteren internationalen Start bestanden bei der WM-Vierten des Vorjahres zu diesem Zeitpunkt nicht. Kurz darauf musste sich die 19-Jährige jedoch einer Knie-OP unterziehen, die sie um Wochen zurückwarf. Seit Anfang Juni arbeitete sie gemeinsam mit Trainer Andreas Bücheler an ihrer Rückkehr in den Ring. Gemessen am aufzuholenden Trainingsrückstand ist das Erfolgsgespann bis hierhin weit gekommen, was Hoffnung für den weiteren Saisonverlauf macht.

Vincente Graiani von der LG Stadtwerke München
400-Meter-Ass Vincente Graiani gehört in seinem ersten U20-Jahr bereits zu den Besten dieser Altersklasse, Foto: Theo Kiefner

400-Meter-Sprinter Vincente Graiani hat in Mannheim mit 48,35 Sekunden die zweitschnellste Zeit seiner noch jungen Karriere auf die Bahn gebracht. In der Auswertung dreier Zeitläufe lieferte der 18-Jährige die sechstschnellste Zeit der deutschen Starter ab. Indes gelang es keinem DLV-Langsprinter, die 400-Meter-Einzelnorm von 47,30 Sekunden zu knacken. Ein 4×400-Meter-Quartett wird der DLV dennoch in Boras an den Start bringen. Dass Graiani zu dieser Auswahl gehören möchte, unterstrich er am Sonntag mit einer starken Schlussrunde als Mitglied der zweiten deutschen Viertelmeiler-Staffel. Für den Münchner spricht weiterhin, dass er in diesem Sommer mit 47,63 Sekunden die drittschnellste Zeit aller Kandidaten erreicht hat.

Florian Knerlein von der LG Stadtwerke München
Über 100 Meter knapp geschlagen, machten Knerlein über 200 Meter die Windverhältnisse einen Strich durch die Rechnung, Foto: Theo Kiefner

Um mindestens einen Startplatz bei den Europäischen Olympischen Jugendspielen in Baku bewarb sich auch U18-Kurzsprinter Florian Knerlein. Hier hatte der DLV einen Startplatz pro Disziplin in Aussicht gestellt. Über 100 Meter überbot Knerlein mit einer Zeit von 10,69 Sekunden (Wind: -0,8 Meter/Sekunde) wiederholt die Normanforderung (10,75 Sekunden), musste sich jedoch dem Lokalmatatoren Felix Kunstein (10,61 Sekunden) geschlagen geben. Auf der doppelten Distanz kam für Knerlein, der die deutsche U18-Jahresbestenliste mit 21,64 Sekunden anführt, dann vieles zusammen: Zwar gewann er – ins Ziel strauchelnd – die 200 Meter in einer Wahnsinnszeit von 21,09 Sekunden, hatte dabei jedoch etwas zu viel Rückenwind (2,5 Meter/Sekunde). Die geforderte Mindestleistung von 21,60 Sekunden hätte Knerlein an diesem Tag mit Sicherheit auch unter regulären Windbedingungen abgehakt, was ihm das Ticket für Baku garantiert hätte.

Cassandra Bailey von der LG Stadtwerke München
Cassandra Bailey gehört mit ihrer Weite zur Top5 in Europa, Foto: Theo Kiefner

Die zweitbeste Weite ihrer Karriere erzielte Kugelstoßerin Cassandra Bailey. Ihre 16,68 Meter, die deutlich über dem EM-Limit von 15,80 Meter liegen, wurden jedoch von Sina Prüfer getoppt (Hallesche Leichtathletik Freunde, 17,18 Meter). Ähnlich erging es auch ihren Trainingspartnern aus der Wurfgruppe von Andreas Bücheler: Kugelstoßer Dominik Idzan kam mit neuer Saisonbestleistung von 18,48 Metern ebenso auf Rang drei wie Diskuswerfer Alexander Schaller mit 54,35 Metern.

Da sich das European Youth Olympic Festival terminlich mit den Deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm (26. bis 28. Juli) überschneidet, bleibt den herausragenden U18-Aktiven aus München immerhin die Gewissheit auf eine Startmöglichkeit beim nationalen Saisonhöhepunkt.

Eine vollständige Ergebnisliste finden Sie hier.