Johannes Trefz von der LG Stadtwerke München
Deutscher Meister in 45,70 Sekunden! Nichts und niemand hätte Johannes Trefz in diesem Sommer von einem EM-Start abgebracht, nun darf er offiziell starten

Mit Christina Hering, Tobias Potye und Johannes Trefz gehören drei Aktive der LG Stadtwerke München dem insgesamt 128-köpfigen Aufgebot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) an, das dieser am Mittwoch für die in Kürze startenden Europameisterschaften im Berliner Olympiastadion (6. bis 12. August) vorgestellt hat.

Christina Hering und Johannes Trefz von der LG Stadtwerke München
Drei Titel in Serie: Christina Hering & Johannes Trefz dominieren seit Jahren auf ihrer Strecke

Auf der 800-Meter-Strecke der Frauen ist Christina Hering die einzige DLV-Vertreterin. Für die, trotz ihrer erst 23 Jahre, internationale bereits erfahrene Münchnerin sind die Heim-Europameisterschaften die fünfte große Freiluft-Meisterschaft im Trikot der Nationalmannschaft. 2015 und 2017 qualifizierte sie sich jeweils für Leichtathletik-Weltmeisterschaften, 2016 ging Hering bei den Europameisterschaften und anschließend noch bei den Olympischen Spielen an den Start. Mitte Juni gelang der Sportsoldatin beim SoundTrack-Meeting in Tübingen mit einer Zeit von 2:00,48 Minuten die frühzeitige Erfüllung der EM-Norm (2:01,50 Minuten), woraufhin sie im Vorfeld der Deutschen Meisterschaften, vorbehaltlich eines Starts beim nationalen Saisonhöhepunkt, für die kontinentalen Titelkämpfe nominiert wurde. Am Wochenende in Nürnberg ließ Hering dann keine Zweifel aufkommen und fuhr souverän ihren vierten Meistertitel nach 2014, 2016 und 2017 ein. National ist die von Andreas Knauer und Daniel Stoll trainierte Hering Spitze, in der europäischen Rangliste rangiert sie derzeit aussichtsreich auf Rang elf.

Bereits seine dritte Deutsche Meisterschaft in Serie gewann am Wochenende 400-Meter-Sprinter Johannes Trefz. In schnellsten Endlauf der letzten zehn Jahre kam der Zweimetermann mit neuer persönlicher Bestzeit von 45,70 Sekunden als Erster ins Ziel. Für den gebürtigen Starnberger war es das zweite Rennen des Sommers, bei dem er unter den geforderten 46 Sekunden blieb. Bereits am 1. Juli lieferte der 26-Jährige beim Resisprint-Meeting in der Schweiz überzeugende 45,76 Sekunden ab. Der Schützling von Peter Rabenseifner und Korbinian Mayr steht vor seiner zweiten Europameisterschafts-Teilnahme. Bei seiner EM-Premiere 2016 in Amsterdam gelang ihm der Einzug ins 400-Meter-Halbfinale. Nach dem fulminanten Schlusslauf von Nürnberg haben sich auch Patrick Schneider (LAC Quelle Fürth) und Fabian Dammermann (LG Osnabrück) für einen Einzelstart über die Stadionrunde qualifiziert. Die drei Einzelstarter bilden dann auch den Kern der deutschen 4×400-Meter-Staffel, die 2016 ins EM-Finale vordrang.

Tobias Potye von der LG Stadtwerke München
Die Latte liegt hoch – Routine für Tobias Potye

Nach einer verletzungsbedingt völlig verkorksten Saison 2017 ist Hochspringer Tobias Potye heuer so richtig aufgeblüht, was der DLV mit einer Nominierung für Berlin belohnt hat. Der von Sebastian Kneifel und Manfred Knopp betreute U20-Europameister von 2013 verbesserte sich Anfang Juni in Regensburg auf 2,27 Meter und meisterte in auch in seinen weiteren Wettkämpfen konstant Höhen von 2,20 und mehr. 2,22 Meter bescherten ihm am vergangenen Sonntag DM-Silber. Der 23-Jährige Münchner ist nach dem Jahresbesten Mateusz Pryzbylko (2,31 Meter, TSV Bayer 04 Leverkusen) der zweitbeste deutsche Hochspringer dieses Jahres. Routinier Eike Onnen (Hannover 96) komplettiert das deutsche Hochsprung-Aufgebot.

Zwei weitere LG-SWM-Protagonisten verpassten ihr Berlin-Ticket knapp. 400-Meter-Hürdenläufer Tobias Giehl fehlten mit vorgelegten 50,88 Sekunden 88 Hundertstelsekunden zur Norm. Giehl, der 2017 aufgrund zweier Hüft-Operationen die gesamte Saison aussetzen musste, hatte das Pech, ausgerechnet zehn Tage vor den nationalen Titelkämpfen bei einem Trainingssturz einen Handbruch zu erleiden, wodurch er in der Vorbereitung erheblich gestört wurde. Auch für Langstreckenläufer Clemens Bleistein erfüllt sich der Traum von der zweiten internationalen Meisterschaft innerhalb eines Jahres nach Lage der Dinge nicht. Den Achten der Hallen-Weltmeisterschaften über 3000 Meter trennten auf den 5000 Metern gerade mal 95 Hundertstelsekunden von den 13:40 Minuten, die der DLV einfordert. Die von der EAA ausgegebene Qualifikationsleistung von 13:42 Minuten hat der 27-Jährige Mediziner hingegen erbracht.

Hering und Trefz starten am 7. August in ihre EM-Qualifikationsrunden, Potye greift zwei Tage später ins Geschehen ein. Die deutsche Langsprint-Staffel mit Trefz ist ab dem 10. August gefordert. Das gesamte DLV-Team wird ab kommenden Montag zur unmittelbaren EM-Vorbereitung im Leistungszentrum Kienbaum zusammenkommen. Weitere Informationen zu den Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin gibt es hier.

Alle Fotos: Sebastian Roth