Von Donnerstag bis Sonntag (4. – 7. März) finden im polnischen Toruń die diesjährigen Hallen-Europameisterschaften der Leichtathleten statt. Unter den 733 Teilnehmern, die insgesamt 47 Nationen vertreten, befinden sich auch vier Athletinnen und Athleten der LG Stadtwerke München, die im Folgenden kurz porträtiert werden. Den Auftakt aus Münchner Sicht macht bereits am Donnerstagabend Hochspringer Tobias Potye.

Live-Streams werden von der EAA hier angeboten. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen berichtet am Samstag ab 23 Uhr im aktuellen Sportstudio (ZDF) sowie am Sonntag ab 18:30 Uhr in der Sportschau (ARD) über die Hallen-EM.

60 Meter mit Amelie-Sophie Lederer

Amelie-Sophie Lederer, 26 Jahre, Polizistin
Persönliche Hallenbestleistung: 7,12 Sekunden (2021)
Saisonbestleistung: 7,12 Sekunden (20.2., Dortmund)
Platzierung europäische Jahresbestenliste 2021: 3
Teilnehmerfeld: 44 Athletinnen aus 26 Nationen
Startzeiten: Sonntag, 7.3., Vorläufe ab 10:18 Uhr, Halbfinals ab 12:40 Uhr und Finale um 18:46 Uhr

Kurzinterview

Für dich ist es der erster internationale Einzelstart. Bedeutet dies eine andere Anspannung als bei Starts mit der Staffel?

Ja, ein Einzelstart ist schon nochmal was anderes als die Staffel. Bei der Staffel will man sein Bestes für das Team geben und beim Einzel für sich das Beste rausholen. Man kämpft für seinen persönlichen Erfolg und will am Ende gut performen. Ich freue mich auf meinen Start bei der EM.

Da die Britin Dina Asher-Smith nicht dabei ist, stehst du an zweiter Stelle der Meldeliste. Die Polin Ewa Swoboda ist mit 7,10 Sekunden, übrigens gelaufen in der Arena Toruń, die Schnellste im Vorfeld und wurde auch schon bei der Hallen-EM 2019 in Glasgow Europameisterin. Dank deiner starken Performance bei den Deutschen Hallenmeisterschaften bist du quasi zur Medaillenkandidatin aufgestiegen. Wie geht es dir damit?

Ich komm damit relativ gut klar. Natürlich ist der Fokus nach der DM-Leistung ein wenig auf mich gerichtet, aber ich versuche, mich davon nicht beeinflussen zu lassen. Statt mir über Ewa Gedanken zu machen konzentriere ich mich auf mich selbst, um bei der EM die bestmöglichste Leistung abliefern zu können.

(Anm. d. Red.: Am Mittwoch, also nach der Entstehung dieses Interviews, wurde bekannt, dass Ewa Swoboda positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Ein zweiter Test soll Klarheit hinsichtlich ihres EM-Starts bringen.)

Beim Wettkampf in Toruń möchte ich… das Bestmögliche erreichen.

Besonders freue ich mich auf… meinen Wettkampf.

Mit dieser Leistung wäre ich happy: Mit einer Zeit im Bereich meiner persönlichen Bestleistung.

Mein Trainer …ist die erste Person, mit der ich nach dem Wettkampf spreche.

Nach der Hallensaison geht es weiter… mit einer kurzen Pause und dann direkt ins Trainingslager.

Vom Sommer 2021 erwarte ich mir… die Form von der Halle mitzunehmen und schnell zu rennen.

Wenn ich an Tokio 2021 denke,… möchte ich dort auf der Bahn stehen.

Amelie-Sophie Lederer möchte in Polen an ihre Leistungen von der Hallen-DM anknüpfen.

800 Meter mit Christina Hering und Katharina Trost

Teilnehmerfeld: 41 Athletinnen aus 21 Nationen
Startzeiten:
Freitag, 5.3., ab 13:00 Uhr, Vorläufe
Samstag, 6.3., ab 19:00 Uhr, Halbfinals
Sonntag, 7.3., 18:13 Uhr, Finale

Kurzinterview Christina Hering

Christina Hering, 26 Jahre, Sportsoldatin
Persönliche Hallenbestleistung: 2:00,93 Minuten (2016)
Saisonbestleistung: 2:03,17 Minuten (13.2., Kirchberg/LUX)
Platzierung europäische Jahresbestenliste 2021: 29

Nach Hallen-WM, Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaft sowie Team-EM und Staffel-WM ist die Hallen-Europameisterschaft einer der wenigen Wettbewerbe, die dir unter den internationalen Meisterschaften noch fehlen. Ist sie seit Einführung der Weltrangliste als Qualifikationsmöglichkeit für die Olympischen Spiele in Tokio in ihrer Bedeutung für dich gestiegen?

Zunächst bin ich stolz, dass es mit der Nominierung geklappt hat und freue mich total auf den Wettkampf. Es ist mein 20. Einsatz für die Nationalmannschaft seit meinem Debüt im Jahr 2013. Das ist also nicht nur das letzte Großereignis das mir noch gefehlt hat, sondern ein besonderes Jubiläum. Die Weltrangliste ist für mich nicht ganz so wichtig, weil ich schon die Supernorm für die Olympischen Spiele erfüllt habe. Trotzdem möchte ich eine sehr gute Leistung abliefern.

Bei der Hallen-DM musstest du nach 650 Metern einen für dich sehr seltenen Leistungseinbruch hinnehmen. Wie gehst du nun etwa zehn Tage später damit um?

In den Tagen danach hat mich das noch ganz schön beschäftigt. Insbesondere, weil es für mich wie aus dem Nichts kam, noch heute überraschend ist und ich mich auch in den Tagen danach im Training wieder richtig gut gefühlt habe. Ich habe abklären lassen, ob gesundheitlich alles in Ordnung ist. Es scheint so, als ob ich einfach nur mal einen schlechten Tag erwischt habe.

In meiner Reisetasche nach Polen darf auf keinem Fall fehlen: Meine sämtlichen Glücksbringer und Utensilien, die ich für die Wettkampfvorbereitung brauche. Zum Beispiel meinen Schmuck, meinen Nagellack und die Dinge, um meine Haare flechten zu können.

Von dem Wettkampf in Toruń erwarte ich… spannende Wettkämpfe, bei denen ich zeigen möchte, dass ich von meiner großen internationalen Erfahrung profitieren kann.

Besonders freue ich mich,… wieder mit der gesamten Nationalmannschaft zusammenzukommen. Auch wenn die Hygienekonzepte es wahrscheinlich nicht zulassen werden, dass man sich dort – wie von früher gewohnt – in größeren Gruppen aufhalten kann.

Wenn ich vor dem Wettkampf… meine Haare flechte , kann nichts schiefgehen.

Mit dieser Leistung wäre ich happy: Ich möchte taktisch einwandfreie Rennen abliefern und natürlich nicht nur einmal laufen.

Nach der Hallensaison… bleiben wir erst einmal in Deutschland und werden zeitnah nach der Hallen-EM ins Trainingslager aufbrechen. Das heißt, es geht relativ schnell wieder ins Training.

Vom Sommer 2021 erwarte ich mir: Letzten Sommer war eine ganz besondere Saison. Ich war topfit und es hat richtig Spaß gemacht, sich mit der internationalen Konkurrenz zu messen. Für dieses Jahr hoffe ich, dass wir das Gleiche bei den Olympischen Spielen erleben können.

Wenn ich an Tokio 2021 denke,… kribbelt es in mir und ich freue mich darauf.

Kurzinterview Katharina Trost

Katharina Trost, 25 Jahre, angehende Grundschullehrerin
Persönliche Hallenbestleistung: 2:02,74 Minuten (2020)
Saisonbestleistung: 2:03,43 Minuten (2.2., Erfurt)
Platzierung europäische Jahresbestenliste 2021: 33

Nach Einzelstarts bei der Universiade und der Weltmeisterschaft in Doha (Katar), beides in 2019, folgt in Toruń ein weiterer internationaler Start bei den Erwachsenen. Insgesamt bist du bei internationalen Meisterschaften noch nicht so oft dabei gewesen und lernst mit Sicherheit auch bei den Routinen noch viel dazu, korrekt?

Das stimmt, ich konnte bei internationalen Meisterschaften noch nicht so viel Erfahrung sammeln. Aber ich hatte das Glück, dass ich im letzten Sommer an vielen internationalen Rennen teilgenommen habe – zum Beispiel in Turku in Finnland, in Bydgoszcz in Polen, in der Halle in Glasgow und an weiteren Events. Seit 2019 bin ich also echt schon ein bisschen rumgekommen und konnte außerhalb von Meisterschaften meine Erfahrungen sammeln. Nichtsdestotrotz ist es für mich etwas Besonderes, bei der Hallen-EM dabei zu sein. Sowohl die Universiade als auch die WM waren draußen. Ich bin schon mega gespannt, wie es mit den Bedingungen sein wird, auch aufgrund von Corona.

Du hast in der laufenden Hallensaison auch einiges ausprobiert, um herauszufinden, wie du und dein Körper auf Belastung reagieren. Was hast du über dich gelernt und was davon hilft dir für die bevorstehende Meisterschaft?

In dieser Hallensaison hatte ich relativ viele Rennen, ja. Eigentlich mag ich das ganz gerne, doch ich habe festgestellt, dass mein Körper zwischendurch etwas mehr Ruhe benötigt. Hinzu kommt, dass ich parallel zum Leistungssport in der Schule arbeite. Meine Trainer und ich haben festgestellt, dass mir ein Tag mehr Pause vor dem Rennen nicht schadet. Deswegen habe ich mein Abschlusstraining schon am Montag gemacht, obwohl mein Rennen erst am Freitag ist. Ansonsten war die letzte intensive Einheit immer erst drei Tage vor dem Start. Mir hilft es bei einem Wettkampf, wenn ich mich an der Startlinie frisch und komplett erholt fühle. In Toruń möchte ich mutig laufen. Bei einer Meisterschaft zählt nur die Platzierung. Das ist mir in Doha ganz gut gelungen und ich konnte mich für das Halbfinale qualifizieren. Das möchte ich auf jeden Fall auch in Toruń erreichen. Das i-Tüpfelchen wäre, wenn ich es dort sogar noch weiter schaffen würde.

In meiner Reisetasche nach Polen darf auf keinem Fall fehlen: Trikot und Spikes. Zwar ist es mir noch nie passiert, aber jedes Mal wenn ich zu einem Wettkampf aufbreche habe ich große Angst, dass ich eines der beiden Dinge vergesse.

Von dem Wettkampf in Toruń erwarte ich,… dass ich mein Bestes zeige. Ich erwarte von mir, dass ich schneller laufen kann und dass ich mich besser durchsetzen kann als bei meinen letzten 800-Meter-Rennen. Daran habe ich versucht, mental zu arbeiten.

Besonders freue ich mich,… dass ich die erste gemeinsame internationale Meisterschaft mit meinem Freund erleben werde. Er (Anm. d. Red.: Christoph Kessler/LG Region Karlsruhe) läuft ja in Polen auch die 800 Meter. Bei der EM 2018 in Berlin war ich nicht dabei, in der WM in Doha hat es für ihn nicht gereicht. Jetzt haben wir es endlich einmal geschafft, uns beide zu qualifizieren.

Diese Angewohnheit habe ich vor einem Wettbewerb: Ich ziehe mein Wettkampf-Outfit so spät wie möglich an. Meist erst kurz vor dem Callroom.

Mit dieser Leistung wäre ich happy: Halbfinale und Saisonbestleistung. In dieser Hallensaison konnte ich noch nicht so richtig zeigen, was ich über 800 Meter draufhabe und glaube, dass noch viel mehr drin ist.

Mein Freund, meine Trainer und meine Eltern …sind die ersten Personen, mit denen ich nach dem Wettkampf spreche.

Nach der Hallensaison…
fahre ich ein paar Tage nach Hause zu meinen Eltern, um ein wenig runterzukommen. Ich war seit Weihnachten nicht mehr daheim, was für mich sehr sehr lange ist.

Vom Sommer 2021 erwarte ich mir… viel. Ich möchte mich für die Olympischen Spiele qualifizieren. Dazu würde ich gerne die Supernorm von 1:59,50 Minuten laufen. Ich glaube, dass ich es draufhabe, unter zwei Minuten zu laufen. Wenn der Knoten platzt, werde ich unter diese magische Grenze kommen. Außerdem hoffe ich, dass ich – trotz Corona – an vielen tollen Wettkämpfen teilnehmen kann.

Wenn ich an Tokio 2021 denke,… gehe ich davon aus bzw. hoffe sehr, dass die Olympischen Spiele stattfinden. Trotzdem will man es nicht verschreien. Ich für meinen Teil werde mich so vorbereiten, als würde schon feststehen, dass sie nicht abgesagt werden. Ich glaube aber, dass man sich noch ein bisschen gedulden muss, bis final entschieden wird, was passiert.

„Doppelt läuft besser!“ In Toruń werden zwei 800-Meter-Läuferinnen der LG Stadtwerke München mitmischen.

 

Hochsprung mit Tobias Potye

Tobias Potye, 25 Jahre, Student (Informatik)
Persönliche Hallenbestleistung: 2,26 Meter (2021)
Saisonbestleistung: 2,26 Meter (30.1., Wien/AUT)
Platzierung europäische Jahresbestenliste 2021: 12
Teilnehmerfeld: 16 Athleten aus 11 Nationen
Startzeiten:
Donnerstag, 4.3., 19.00 Uhr, Qualifikation
Sonntag, 7.3., 11:25 Uhr, Finale

Kurzinterview

Du hast deine Indoor-Bestleistung in diesem Winter um vier Zentimeter gesteigert, konntest das bisher aber nicht in jedem Wettkampf abrufen. Grund dafür ist auch eine Knieverletzung, die seit dem Wettkampf in Luxemburg wieder Probleme machte. Wie steht es darum?

Die vier Zentimeter sind der langersehnte Fortschritt, den ich mir direkt nach 2018 schon erhofft hatte. Wie auch in den letzten beiden Jahren wurde ich allerdings auch heuer durch eine Knieverletzung etwas ausgebremst. In Luxemburg (Anm. d. Red.: Wettkampf am 13.2.) hat sich die Situation unerwartet verschlechtert. Nicht zuletzt war das die Bremse, die mich bei der Hallen-DM in Dortmund ein bisschen zurückgehalten hat. Ich bin aber in guter medizinischer und physiotherapeutischer Betreuung um – auch mit Blick auf den Sommer – alles dafür zu tun, um hoch springen zu können.

Mit am Start ist als Titelverteidiger und Entertainer Gianmarco Tamberi, mit 2,35 Meter aktuell der beste Springer der Welt. Ihr kennt euch aus vielen gemeinsamen Wettkämpfen und du bist im letzten Jahr sogar einer Einladung in seine Heimat Ancona gefolgt. Freust du dich auf das Wiedersehen und das sportliche Kräftemessen?

Ich freue mich sehr gegen ihn, aber auch gegen die anderen Jungs springen zu können. Ich bin froh, dass ich mich mit der internationalen Elite messen kann. Gianmarco ist Gianmarco, es wird sicher unterhaltsam werden.

In meiner Reisetasche nach Polen darf auf keinem Fall fehlen: Musik und Kopfhörer. Ohne sie wäre die Vorbereitung schwierig. Ich ziehe mich gern vor dem Wettkampf etwas zurück. Musik hilft dabei, dass ich mich auf mich konzentrieren kann.

Von dem Wettkampf in Toruń erwarte ich,… noch einmal die Gelegenheit zu bekommen, die Leistung abzurufen, die gerade in meinen Beinen steckt. Ohne Kniebeschwerden oder andere Dinge. Es steckt schon seit längerer Zeit mehr in den Beinen, allerdings waren die Chancen es zeigen zu können in der Vergangenheit sehr gering.

Besonders freue ich mich,… endlich wieder im Nationaltrikot zu starten. Nach meiner Verletzungsgeschichte in den letzten drei Jahren ist das nicht selbstverständlich.

Diese Angewohnheit habe ich vor einem Wettbewerb: Ich versuche, möglichst nicht von einem Talisman oder sowas abhängig zu sein. In der Vorbereitung habe ich letztes Jahr relativ viel experimentiert und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich nicht alles auf den Kopf stellen muss. Je weniger Abhängigkeiten du hast, desto flexibler bist du.

Mit dieser Leistung wäre ich happy: Wenn ich noch einmal an meine Leistung von Wien anknüpfen kann (Anm. d. Red.: 2,26 Meter am 30.1. in der Ferry-Dusika-Halle in Wien). Mein Ziel ist es, ins Finale zu kommen und dort zu glänzen.

Nach der Hallensaison… geht es bei mir direkt ins Trainingslager. Wir fliegen am 13. März bis Ende des Monats mit dem Hochsprung-Bundeskader in ein Trainingslager nach La Palma, um uns bestmöglich auf den Sommer vorzubereiten.

Im Sommer 2021… dürfen wir hoffentlich Wettkämpfe bestreiten bei denen ich die Chance bekomme, ausreichend Punkte zu sammeln, um mich für Tokio zu qualifizieren. Toruń ist ein wichtiger Schritt in Richtung Olympischer Spiele. Weil es dort Punkte für das Ranking gibt, das letztlich entscheiden wird. Insbesondere, weil ich 2019 keine Wettkämpfe bestritten habe und mein Konto aktuell etwas leer aussieht. Ich möchte nicht warten, bis ich vielleicht mit Glück ins Teilnehmerfeld reinrutsche, sondern mein Ziel ist es, mich aus eigener Kraft zu qualifizieren.

Eine vollständige Teilnehmerliste der Hallen-Europameisterschaften 2021 gibt es hier. Die offizielle Veranstaltungs-Webseite finden Sie hier. Eine Übersicht über diverse Live-Streams gibt es hier, die Live-Ergebnisse sind hier abrufbar.

Alle Bilder: Theo Kiefner