800m-Läuferin Christina Hering von der LG Stadtwerke München hat bei der Hallen-Weltmeisterschaft in Portland (USA) am Samstag den Einzug ins Finale verpasst. Von den 17 gestarteten Läuferinnen zogen lediglich die drei Vorlaufsiegerinnen sowie die drei Zeitschnellsten in den Endlauf ein. Herings dritter Platz im Vorlauf mit einer Zeit von 2:05,39 Minuten genügte nicht. Die 21-jährige Münchnerin, die die vier Hallenrunden in diesem Winter bereits in 2:00,93 Minuten absolviert hatte, verbucht die Hallen-WM-Teilnahme als Erfahrungsgewinn und legt ihren Fokus nun voll auf die Freiluftsaison.

Als Vierte der Setzliste des Jahres landete Christina Hering im dritten Vorlauf, der auf dem Papier der stärkste der drei Vorläufe war. Insgesamt fünf der sechs Läuferinnen verfügten über eine Freiluftbestzeit von unter zwei Minuten. Dennoch legte das Feld mit 29,98 Sekunden eine verhaltene Runde zum Auftakt hin. Dadurch war derart viel Rotation im Feld, dass Christina Hering zwischenzeitlich auf Bahn drei um ihre Position kämpfen musste. Nach 450m ordnete sie sich direkt hinter der führenden US-Amerikanerin Laura Roesler ein – eine optimale Ausgangslage für einen fast schon typischen Hering-Angriff auf die Spitze. Dann aber ging die Deutsche Meisterin nicht vorbei, sondern ließ noch die Äthiopierin Tigst Assefa passieren, die sie überrascht hatte. Als Drittplatzierte gelang es der Münchnerin auf die Schlussrunde nicht mehr, die beiden Athletinnen vor sich einzufangen. Roesler qualifizierte sich als Siegerin in 2:04,38 Minuten für das Finale, für die Zweitplatzierte Assefa (2:04,55 min) war nach dem Vorlauf Schluss, ebenso für Christina Hering als Dritte mit einer Zeit von 2:05,39 Minuten. Um als eine der drei Zeitschnellsten das Finale zu erreichen, wäre eine Zeit von 2:02,34 Minuten nötig gewesen.

Nach dem Rennen beschreibt Hering ihren Lauf und blickt optimistisch nach vorne: „Den ersten Lauf haben wir noch im Callroom gesehen. Da wusste ich schon: Ein zweiter Platz über die Zeit ist schon mal vergeben. Dann habe ich auch die Zeiten des zweiten Laufs gesehen und dachte: Okay, in einem schnellen Rennen darf ich Dritte werden. Das bin ich dann ja auch geworden, aber leider war das Rennen nicht schnell. Ich musste immer ganz außen gehen. Ich glaube, das war trotzdem der richtige Weg, denn sonst wäre ich noch weiter hinten gelandet. Es ist schon schade, ich hätte das Zeug gehabt ins Finale zu laufen. Aber man sieht: Weltmeisterschaften sind etwas ganz anderes. Ich habe wieder mehr Erfahrungen mitgenommen und freue mich auf den Sommer.“

Dass die Qualifikation für die wenigen Finalplätze des 800m Laufs ein hartes Unterfangen ist, zeigt auch das Ausscheiden der erfahrenen Britin Lynsey Sharp. Die Europameisterin von 2012 hatte als Zweite ihres Vorlaufs mit einer Zeit von 2:02,75 Minuten ebenfalls das Nachsehen.

Den WM-Titel über 800m der Frauen gewann schließlich Francine Niyonsaba aus Burundi. Mit neuer Weltjahresbestleistung von 2:00,01 Minuten verwies sie die favorisierte Amerikanerin Ajee Wilson (2:00,27min) sowie die Kenianerin Margaret Wambui (2:00,44min) auf die Plätze zwei und drei.

Christina Hering reist am Montag nach Flagstaff/Arizona weiter, um dort in einem dreiwöchigen Höhentrainingslager an ihren Grundlagen für den Sommer zu arbeiten.

Foto: Theo Kiefner