Christina Hering und Katharina Trost für Olympische Spiele in Tokio nominiert

Christina Hering und Katharina Trost für Olympische Spiele in Tokio nominiert

Die 800-Meter-Läuferinnen Christina Hering und Katharina Trost von der LG Stadtwerke München gehören zu den 90 deutschen Leichtathletinnen und Leichtathleten, die für die Olympischen Sommerspiele in Tokio (Japan; 30. Juli bis 8. August) nominiert sind. Das hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in seiner fünften und letzten großen Nominierungsrunde offiziell bekanntgegeben. Während Hering ihren bereits zweiten Spielen entgegenblickt, darf sich Trost auf ihre Olympia-Premiere freuen. Verpasst hat die Qualifikation hingegen Hochspringer Tobias Potye, der diesjährige Deutsche Meister aus München.

Für Christina Hering zeichnete sich schon länger ab, dass sie nach ihrer Olympiateilnahme im Jahr 2016 in Rio de Janeiro (Brasilien) auch in Tokio an den Start gehen würde. Im August 2019 blieb sie bei einem Temporennen in Pfungstadt mit einer Zeit von 1:59,41 Minuten um neun Hundertstelsekunden unter der vom Deutschen Leichtathletik-Verband geforderten Mindestleistung für eine Olympiateilnahme. Doch die Corona-Pandemie brachte auch für die inzwischen 12-fache Deutsche Meisterin über 800 Meter einige Ungewissheit mit sich. Nach der Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 lieferte sie im internationalen Meeting-Zirkus eine ganze Reihe von Top-Resultaten ab, doch diese fanden infolge eines ausgesetzten Qualifikationszeitraums für die Spiele keine Berücksichtigung in der Weltrangliste. Anschließend war bis zum Beginn der Freiluftsaison 2021 nicht eindeutig klar, ob von der 26-jährigen noch ein Leistungsnachweis in Form eines Ergebnisses von mindestens 2:00,50 Minuten gefordert würde. Doch die 26-jährige hielt sich nicht lange mit diesen Fragen auf und räumte sämtliche Zweifel aus, indem sie in ihren drei letzten Rennen in Marseille (2:00,15 Minuten), Luzern (2:00,04 Minuten) und Heusden (1:59,95 Minuten) jeweils unterhalb dieser Zeit blieb – letzteres war gar der drittschnellste Rennausgang ihrer Karriere. Ihre Trainer Andreas Knauer und Jonas Zimmermann haben also ganze Arbeit geleistet: Christina Hering hat allen Herausforderungen getrotzt und ist in Olympia-Form.

Gleiches gilt auch für Katharina Trost, wenngleich sie einen gänzlich anderen Weg beschritten hat als Hering. Sie stellte bei besagtem Meeting in Pfungstadt 2019 zwar auch eine neue persönliche Bestleistung auf, blieb aber mit 2:00,36 Minuten über der Olympia-Qualifikationsnorm. Große Hoffnungen ruhten folglich auf einer erfolgreichen ersten Jahreshälfte 2020, die jedoch mit dem ersten Corona-Lockdown, einhergehend mit einer achtwöchigen Schließung sämtlicher Trainingsanlagen in Bayern, jäh endeten. Zur Wahrung der Chancengleichheit setzte der Leichtathletik-Weltverband World Athletics in der Folge dann auch noch die Qualifikation für die auf 2021 verschobenen Olympischen Spiele vom 6. April bis zum 30. November aus. Ein neuer Anlauf in 2021 verlief zunächst wenig zufriedenstellend und endete mit einem enttäuschenden Vorrunden-Aus bei der Hallen-EM in Toruń. Nach Wochen intensiver Vorbereitung stimmten dann die Zeiten beim Einstieg in die Freiluftsaison optimistisch. Eine Woche nach dem Gewinn der deutschen Vizemeisterschaft lief Trost im schwedischen Sollentuna zu einer Zeit von 2:00,67 Minuten. Am 20. Juni folgte dann das Rennen, das die 26-jährige für alle vorangegangen Mühen, für alle Rückschläge und Zweifel entschädigte: Beim Janusz Kusocinski Memorial im polnischen Chorzów pulverisierte sie in 1:58,68 Minuten ihre bisherige Bestzeit und blieb deutlich unter der Supernorm für die Olympischen Sommerspiele. In den letzten 20 Jahren waren nur zwei deutsche Läuferinnen auf dieser Strecke schneller als Trost. Unter den 48 Athletinnen weltweit, die schließlich für einen 800-Meter-Start in Tokio zugelassen sind, bekleidet Trost mit ihrer Bestzeit den 17. Platz. Insgesamt konnte sich exakt die Hälfte mit einer Zeit von mindestens 1:59,50 Minuten direkt qualifizieren.

Unter den 32 Hochspringern, die in Tokio an den Start gehen, wird Tobias Potye fehlen. Der diesjährige Hallen-EM Vierte und Deutsche Meister hatte bis zuletzt gehofft, sich noch über die Weltrangliste für einen Startplatz zu empfehlen. In der Vorwoche war er gar bei der Einkleidung des Team D in München dabeigewesen. Weltweit acht Springer liegen im finalen Ranking schließlich ohne Olympia-Ticket vor Potye. Im Durchschnitt der fünf besten Leistungen trennen den bayerischen Rekordhalter 30 Punkte vom letzten Qualifikanten, dem Mexikaner Edgar Rivera (1184 zu 1214 Punkte). Einziger deutscher Hochspringer in Tokio ist Mateusz Przybylko (TSV Bayer 04 Leverkusen). Der DM-Vierte dieses Jahres rückt mit 1293 Weltranglistenpunkten als 18. ins Starterfeld. Wichtigster Punktelieferant für seinen Ranking-Score ist der Gewinn des Europameistertitels im August 2018 im Berliner Olympiastadion.

Zu den Top-Anwärterinnen um die Sprint-Startplätze gehörte im Winter noch Amelie-Sophie Lederer, die Deutsche Hallenmeisterin über 60 Meter. Sie wurde jedoch für den Sommer von einer Oberschenkelverletzung ausgebremst.

Der Freistaat ist in Japan mit insgesamt drei Leichtathletinnen und einem Leichtathleten vertreten. Neben den beiden Münchnerinnen ist Sprinterin Alexandra Burghardt (LG Gendorf Wacker Burghausen) für den 100-Meter-Wettbewerb und für die 4×100-Meter-Staffel ausgewählt worden. Tristan Schwandke (TV Hindelang) startet im Hammerwurf.

Hering und Trost werden voraussichtlich am 19./20. Juli, also etwa zehn Tage vor Beginn der Leichtathletik-Wettbewerbe, ins Pre-Camp nach Miyasaki (Japan) fliegen, um sich an Zeitdifferenz und Klima zu gewöhnen.

Beitragsbild: Theo Kiefner

 

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