1:58,68 Minuten – Katharina Trost empfiehlt sich mit eindrucksvoller Bestzeit für Olympische Spiele

1:58,68 Minuten – Katharina Trost empfiehlt sich mit eindrucksvoller Bestzeit für Olympische Spiele

Etwas mehr als eine Woche vor dem Ende des Qualifikationszeitraums für die Olympischen Sommerspiele in Tokio stürmte 800-Meter-Läuferin Katharina Trost von der LG Stadtwerke München am Sonntag, 20. Juni, im polnischen Chorzów zu einer herausragenden neuen persönlichen Bestzeit von 1:58,68 Minuten. Die Olympia-„Supernorm“ von 1:59,50 Minuten unterbot sie damit deutlich. Seit 2001 gab es in Ivonne Teichmann (SC Magdeburg) und Fabienne Kohlmann (LG Karlstadt-Gambach-Lohr) lediglich zwei deutsche Läuferinnen, die die beiden Stadionrunden schneller absolvierten als die Münchnerin gestern Nachmittag.

Erst eine Woche zuvor hatte die 26-jährige im schwedischen Sollentuna mit einer Zeit von 2:00,67 Minuten, der bis dahin zweitschnellsten ihrer Karriere, untermauert, dass sie sich inmitten des Wettbewerbs um einen Olympia-Startplatz befindet. Große Hoffnungen legte die amtierende deutsche Vizemeisterin folglich auf das Rennen der Continental Tour des Weltleichtathletikverbandes im wunderschönen Chorzówer Stadion: „Mein Ziel war es, dort die Norm anzugreifen.“

15 Uhr ist eine eher ungewohnte Zeit für ein Rennen. Es war 31 Grad heiß und es gab keine Wolke am Himmel. Als ich dann an der Startlinie stand und gesehen habe, dass noch elf weitere Mädels da sind, war mir klar: Das wird wieder ein Kampf!

Katharina Trost über ihre Gedanken kurz vor dem Start


Trost hielt sich an die taktischen Vorgaben ihrer Trainer Andreas Knauer und Jonas Zimmermann und reihte sich nach den ersten 100 Metern sparsam mitlaufend hinten im Feld ein. Tempomacherin Aneta Lemiesz führte das Feld auf eine wahnsinnig schnelle erste Runde, bei der die ersten Läuferinnen mit einer Durchgangszeit von 56,5 Sekunden gestoppt wurden. „Als ich das gesehen habe, wusste ich, da werden mir noch ein einige entgegenkommen und so wars dann letztlich auch.“ Zwischen 400 und 500 Meter, wo bekanntermaßen eine ihrer Stärken liegt, startete Trost ihre Aufholjagd. „Ich hatte eine große Lücke nach vorne zu schließen, was mir aber gelungen ist.“ Eingangs der Zielgeraden sah Trost erst zum zweiten Mal in diesem Rennen auf die Uhr, denn die Devise lautete diesmal einfach, soweit wie möglich nach vorne zu laufen. Sie erblickte eine 1:42 Minuten und dachte: „Ich fühle mich noch so stark, dass ich es schaffen werde, in 17 Sekunden ins Ziel zu laufen.“ Und so biss sich die angehende Grundschullehrerin an Rénelle Lamote fest und überquerte schließlich als Vierte die Ziellinie: „Als für die Siegerin dann eine 1:57 Minuten erschien und ich nicht so weit hinter ihr war, hoffte ich nur, dass es gereicht hat. Als dann meine Zeit kam, konnte ich es nicht glauben.“ Ihre bisherige Bestzeit aus dem August 2019 von 2:00,37 Minuten war pulverisiert. Dank ihrer 1:58,68 Minuten muss Trost nun nicht mehr auf ausreichend Weltranglistenpunkte für die Olympia-Qualifikation hoffen, sie darf sich auf ihre ersten Olympischen Spiele freuen. Der Sieg in Chorzów ging – ebenfalls mit persönlicher Bestleitung von 1:57,57 Minuten – an die Äthiopierin Freweyni Hailu vor der Australierin Catriona Bisset (1:58,09 Minuten) und Lamote (1:58,11 Minuten).

Ich freue mich wahnsinnig. Ich kann es noch immer nicht richtig begreifen. Dass es so gut wird, hätte ich nicht erwartet. Als ich mir beim Einlaufen vorgestellt habe, heute hier die Norm zu laufen, habe ich fast begonnen zu heulen und mir dann gesagt: Kathi, reiß dich zusammen, du bist gerade beim Einlaufen!

Katharina Trost auf der Rückfahrt aus Chorzów über ihre emotionale Reise


„Heute hast du deine wahre Stärke gezeigt“, lobte die bereits für Olympia qualifizierte Christina Hering mit ihrer langjährigen Trainingspartnerin. Am 29. Juni stehen sie beim Meeting in Luzern noch einmal gemeinsam an der Startlinie, bevor sie sich den letzten Feinschliff für die Spiele holen.

Das gesamte Ergebnis der 800-Meter-Konkurrenz der Frauen bei der Veranstaltung zu Ehren des früheren polnischen 10.000-Meter-Olympiasieger Janusz Kusociński gibt es hier.

Beitragsbild: IMAGO / Beautiful Sports

← Zurück zur Newsübersicht