Deutsche Hallenmeistertitel für Gröll und Hering – Potye und Trost holen Silber, die Münchner 4×200-Meter-Staffel Bronze

Deutsche Hallenmeistertitel für Gröll und Hering – Potye und Trost holen Silber, die Münchner 4×200-Meter-Staffel Bronze

Insbesondere am zweiten Wettkampftag der diesjährigen Deutschen Hallenmeisterschaften in der Arena Leipzig häuften sich die Erfolgsmeldungen für die LG Stadtwerke München. Während Laura Gröll im Hochsprung ihren ersten deutschen Meistertitel überhaupt gewann, fuhr Christina Hering über 800 Meter bereits ihren fünften Hallentitel bei den Frauen ein, der gleichzeitig der insgesamt zehnte nationale 800-Meter-Einzeltitel ihrer Karriere ist. Hinter Hering sicherte sich Katharina Trost mit neuer Hallenbestleistung die Silbermedaille. Selbige bekam wie bereits 2017 an gleicher Stelle auch Hochspringer Tobias Potye umgehängt. Im letzten Wettbewerb der Meisterschaft liefen dann noch Fabian Olbert, Jakob Matauschek, Vincente Graiani und Yannick Wolf über 4×200-Meter in neuer bayerischer U23-Rekordzeit zur Bronzemedaille. Hinzu kamen drei weitere Platzierungen unter den besten Acht. Nie zuvor schnitt die LG SWM bei Deutschen Hallenmeisterschaften der Erwachsenenklasse besser ab. Acht der zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der bayerischen Landeshauptstadt nahmen eine Medaille mit auf die Heimreise.

Christina Hering, Mareen Kalis und Katharina Trost von der LG Stadtwerke München
Die drei Finalistinnen über 800 Meter: Die neue Titelträgerin Christina Hering (l.) und die DM-Zweite Katharina Trost verabschieden ihre langjährige Trainingspartnerin Mareen Kalis mit 22 Jahren in die Sportlerrente

Seit dem Jahr 2015 stellt die LG Stadtwerke München die Siegerin über 800 Meter der Frauen und so sollte es auch in diesem Jahr sein. Mit souveränen Halbfinalsiegen zogen Christina Hering, Mareen Kalis und Katharina Trost am Samstag in den Endlauf ein (Finale im Video). Diesen ging Trost so schnell an, sodass einzig Hering das Tempo mitgehen konnte. Zu den übrigen Teilnehmerinnen tat sich früh eine Lücke auf. Trost stellte zum wiederholten Male unter Beweis, dass sie ihre Paradestrecke konstant schnell laufen konnte. Unmittelbar vor der Schlussrunde ging Hering an ihrer Trainingspartnerin vorbei und kam dank eines unwiderstehlichen Endspurts in neuer deutscher Hallenjahresbestzeit von 2:02,14 Minuten als Erste ins Ziel (Interview Hering). Trost folgte knapp dahinter mit neuer persönlicher Hallenbestzeit von 2:02,74 Minuten. Kalis, die mit diesem Rennen ihre Karriere beendete, wurde mit 2:08,09 Minuten Fünfte. Für eine gemeinsame Ehren- und Abschiedsrunde nahmen die Münchner Medaillengewinnerinnen Kalis dann in die Mitte und genossen sichtlich den Applaus der 3750 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Arena. Für Statistiker: Hering wurde in Leipzig bereits zum fünften Mal Deutsche Hallenmeisterin über diese Distanz. Genauso oft hat sie sich auch unter freiem Himmel den 800-Meter-Titel der Frauen gesichert.

Laura Gröll von der LG Stadtwerke München
Freudensprünge bei der neuen Deutschen Hallenmeisterin Laura Gröll nach überquerten 1,86 Meter, Foto: Theo Kiefner

Während der Erfolg der Münchnerinnen über die vier Hallenrunden einigermaßen vorhersagbar war, schien in der Hochsprung-Konkurrenz der Frauen alles offen. Mit im Vorfeld übersprungenen 1,84 Meter gehörte Laura Gröll von der LG SWM zum Favoritinnenkreis, was sie bestätigte, indem sie die drei Anfangshöhen jeweils im Erstversuch übersprang. Ab 1,83 Meter machte sie es dann deutliche spannender. Erst im dritten Anlauf erarbeitete sie sich diese Höhe. Die Bronzemedaille hatte die 21-Jährige Münchnerin zu diesem Zeitpunkt bereits sicher. Gegen die im Wettbewerb verbliebenen Katarina Mögenburg (TSV Bayer 04 Leverkusen) und Bianca Stichling (TSG 1862 Weinheim) ging es nun um mehr. Und es wurde zunehmend spannender, denn alle drei Springerinnen mussten in die Drittversuche. Unter welcher Anspannung Gröll stand, wurde deutlich, als ihr die Überquerung im letzten Versuch glückte. Dass sie damit die Einzige blieb, konnte sie kaum fassen (Grölls Sprung zum Sieg). Es dauerte einige Minuten bis sie sich gemeinsam mit ihren Trainern Sebastian Kneifel und Lukas Pinieck darauf eingestellt hatte, dass der Wettbewerb für sie noch nicht beendet war. Nach erreichter Saisonbestleistung ließ Gröll 1,90 Meter auflegen, die sie noch nie zuvor übersprungen hatte. Besonders die Versuche zwei und drei über diese Hohe sahen sehr vielversprechend aus und lassen auf einen erfolgreichen Sommer hoffen. Für Gröll war es der überhaupt erste Titelgewinn bei einer deutschen Meisterschaft (Interview). Ihr bislang größter Erfolg war Platz drei, ebenfalls bei den Frauen, im Sommer 2017. In der Folge wurde sie durch zwei aufeinanderfolgende Ermüdungsbrüche im Sprungfuß ausgebremst. Das gehört spätestens mit ihrem Erfolg in Leipzig der Vergangenheit an.

Tobias Potye von der LG Stadtwerke München
In beeindruckender Geschwindigkeit hat Tobias Potye nach mehr als einjähriger Wettkampfpause wieder in seinen Wettkampfmodus zurückgefunden, Foto: Theo Kiefner

Einen weiteren Münchner Hochsprung-Erfolg erzielte Tobias Potye, der am Sonntag so etwas wie ein mehrfaches Déjà-vu gehabt haben dürfte. Im Jahr 2017 sprang Potye schon mal in der Arena Leipzig und gewann damals mit einer Höhe von 2,20 Meter die Vizemeisterschaft hinter dem Europameister von 2018, Mateusz Przybylko (TSV Bayer 04 Leverkusen). Damit wäre auch die gestrige Geschichte weitestgehend erzählt. Einen Unterschied macht sicherlich, dass Potye, der sich im Sommer 2018 bis auf 2,27 Meter steigerte, in diesen Wochen seine ersten Wettkämpfe nach mehr als einjähriger Verletzungspause bestreitet. Am Sonntag benötigte er bei 2,10 Meter und 2,20 Meter zwei Versuche, die 2,14 beziehungsweise 2,17 Meter meisterte Potye mit Minimalaufwand. Dass er die Versuche über 2,23 Meter, die eine neue Hallen-PB bedeutet hätten, nur äußerst knapp gerissen hat, lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Der bayerische Rekordhalter der LG Stadtwerke München ist zurück!

Die 4×200-Meter-Sprintstaffel der LG SWM mit Vincente Graiani, Fabian Olbert, Jakob Matauschek und Yannick Wolf (v.l.n.r.) gehörte zu den jüngsten im Feld – und zu den erfolgreichsten

Eine bravouröse Vorstellung bot zum Abschluss der zwei Wettkampftage die  männliche 4×200-Meter-Staffel der LG SWM, die aus drei U20-Athleten sowie einem U23-Sprinter bestand. Fabian Olbert, Jakob Matauschek, Vincente Graiani und der „Stubenälteste“ Yannick Wolf benötigten für die vier Bahnumrundungen gerade mal 1:25,69 Minuten, was ihnen hinter Bayer Leverkusen sowie dem TV Wattenscheid nicht nur den Bronzerang, sondern auch eine Verbesserung des im letzten Jahr durch eine Münchner Jugendstaffel aufgestellten bayerischen U23-Rekords einbrachte.

Fabian Olbert von der LG Stadtwerke München
Im 60-Meter-Halbfinale ließ Fabian Olbert eindrucksvoll die Muskeln spielen – im Finale spielten diese ihm dann einen Streich, Foto: Theo Kiefner

Olbert hatte tags zuvor noch weitere Erfolgserlebnisse. Der amtierende Deutsche Jugend-Hallenmeister über 60 Meter drückte auch seinem ersten Halbfinale bei den Männern seinen Stempel auf. Mit 6,65 Sekunden überraschte der Schützling von Michael Ehrenreich die Konkurrenz und sicherte sich als Sieger die direkte Qualifikation für das Finale. Mit seiner Siegeszeit verbessert Olbert seinen bayerischen U20-Hallenrekord über 60 Meter um weitere drei  Hundertstelsekunden. Im 60-Meter-Endlauf wurde es dann dramatisch (Finale im Video). Nachdem es bereits in Olberts Halbfinale eine Disqualifikation durch einen Fehlstart gegeben hatte, klappte es im Finale erst im dritten Anlauf. Der erste Versuch misslang, da Michael Pohl (Sprintteam Wetzlar) den Start verzögerte und eine gelbe Karte erhielt. Beim zweiten Anlauf katapultierte sich der deutsche Rekordler Julian Reus (LAC Erfurt), den Olbert im direkten Duell im Halbfinale schlagen konnte, zu früh aus den Blöcken, was eine Disqualifikation zur Folge hatte. Das dürfte Olbert bereits kaum noch wahrgenommen haben, denn er humpelte mit Wadenkrämpfen zurück in den Startblock. Nachdem der dritte Start korrekt verlief und der 19-jährige Münchner zunächst sehr gut ins Rollen kam, machten sich die muskulären Defizite dann abermals bemerkbar. In 6,74 Sekunden – also in einer Zeit, die in diesem Winter kein zweiter deutscher U20-Sprinter erreichen konnte – kam er beim Sieg von Deniz Almas (VfL Wolfsburg) als Siebter ins Ziel. Alles in allem eine hervorragende Hallen-Premiere bei den Männern.

Weitspringer Yannick Wolf  zeigte bei seiner ersten Hallen-DM bei den Männern einen soliden Wettkampf. Sein Sprung auf 7,32 Meter im ersten Versuch reichte später für den Endkampf, in dem Wolf die Kräfte etwas verließen, weshalb er sich nicht mehr steigern konnte. Mit einer neuen Saisonbestweite schloss der 19-jährige deutsche Jugend-Vizemeister des Vorjahres den Wettkampf beim Sieg von Maximilian Entholzner (7,81 Meter, LAC Passau) schließlich als Achter ab.

Wertvolle Erfahrung sammelte in der Arena Leipzig auch U20-Sprinter Vincente Graiani. Der deutsche U20-Vizemeister über 400 Meter wurde in seinem Vorlauf am Samstag mit 49,07 Sekunden gestoppt.  Tags darauf benötigte er für die halbe Distanz 22,19 Sekunden.

Hürdensprinterin Chiara Wetzel zeigte in ihrem Vorlauf über 60-Meter-Hürden mit 8,79 Sekunden die zweitbeste Zeit ihrer Karriere. Jahreshöhepunkt der Juniorin bleiben die Deutschen U23-Meisterschaften Mitte August in Mönchengladbach.

Eine vollständige Ergebnisliste der 67. Deutschen Hallenmeisterschaften gibt es hier.

Beitragsbild: Theo Kiefner

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