Die Deutsche Meisterschaft der Männer und Frauen im von 28.700 Zuschauern besuchten Kasseler Auestadion hat mit drei Titeln, einer Vizemeisterschaft und diversen Top-Sechs-Platzierungen nachhaltig bewiesen, dass sich die LG Stadtwerke München national zu einer Topadresse entwickelt hat. Und auch die absolut unangefochtene Spitzenstellung im Freistaat wurde mit dieser eindrucksvollen Bilanz gefestigt. Im nationalen, freilich inoffiziellen Medaillenspiegel der beiden Meisterschaftstage belegte die LG Stadtwerke einen beachtlichen dritten Rang und heimste ebenso viele Titel ein wie die großen Rivalen Leverkusen und Wattenscheid.

Meistertitel Nummer eins sicherten sich die Münchner im 800-Meter-Lauf der Frauen, in dem im Finale gleich drei LG-Vertreterinnen und als viertes Mitglied der Trainingsgruppe von Coach Daniel Stoll auch Fabienne Kohlmann vertreten waren. Kohlmann und Christina Hering legten von Beginn an ein flottes Tempo vor und waren nach 600 Metern der Konkurrenz enteilt. Es mussten die letzten 100 Meter entscheiden. Hier war die 1,85-Meter große Sportwissenschaftsstudentin Hering dann deutlich schneller und gewann in 2:02,19 Minuten vor Kohlmann (2:03,15, Video). Im Vorjahr in Nürnberg war die Reihenfolge noch umgekehrt. „Heute zählt für mich der Titel. Ich bin stolz, dass ich das geschafft habe“, sagte eine überglückliche Hering. Mareen Kalis auf Gesamtrang fünf (2:05,52 Minuten) und Christine Gess als Siebte (2:06,59 Minuten) vervollständigten die mannschaftliche Dominanz der Stoll-Truppe.

Sein „Ding durchgezogen“ hat nach eigener Aussage 400-Meter-Ass Johannes Trefz. „Jojo“ ging sein Rennen forsch an, hatte auf den letzten Metern allerdings mit dem stark aufkommenden Alhagie Drammeh zu kämpfen, den im Vorfeld eigentlich keiner so recht auf der Rechnung hatte. Trefz benötigte 46,62 Sekunden, sein härtester Rivale drei Hundertstel mehr. „Ich habe am Anfang gleich Druck gemacht, die Zielgerade ist eh meine Stärke. Schade, dass es am Ende so knapp geworden ist. Ich musste noch zittern, wollte mir das aber nicht mehr nehmen lassen.“ Hier gibt es den Gold-Lauf über 400 Meter zum Nachsehen.

Erfolgserlebnis Nummer drei hatte die LG in der 4×400-Meter-Staffel der Männer. Benedikt Wiesend, Johannes Trefz, Laurin Walter und Tobias Giehl verwiesen mit 3:10 Minuten in einem bis zum Schluss packenden Rennen das nie aufgebende Quartett aus Hannover auf Rang zwei. Damit war die Wiedergutmachung fürs Vorjahr geglückt, als die sehr siegessicheren Mannen aus der Landeshauptstadt sich der diesmal nicht angetretenen Magdeburger Staffel geschlagen geben mussten.

Zum vierten Mal deutscher Vizemeister wurde über 400-Meter-Hürden Tobias Giehl. Der Stadtwerke-Athlet, der bislang als einziger deutscher Langhürdler die EM-Norm geknackt hat, fand in 50,49 Sekunden dieses Mal seinen Bezwinger in Felix Franz, der nach langer Verletzung zurückkam und bislang erst zwei Saisonrennen absolviert hatte.

Nur 13 Zentimeter – also ungefähr die Größe eines Bierdeckels – fehlten Hammerwerfer Johannes Bichler als Viertplatzierten (70,43 Meter) zum Bronzerang. Trainingskollege Simon Lang erzielte als Sechster in seinem besten Versuch 69,48 Meter. Bereits gestern hatte im Frauen-Hammerwurf Anna Arlt als Achte ebenfalls den Finaleinzug geschafft.

Im 5000-Meter-Lauf der Männer hielt sich Vorjahreszweiter Clemens Bleistein lange in der Spitzengruppe auf, ehe er dem Antritt einer vierköpfigen Gruppe um den späteren Sieger Richard Ringer nicht folgen konnte. 14:08 Minuten bedeuteten am Ende Rang fünf.

Ein Resultat besser als Position fünf der Ergebnisliste hatte sich die 4×400-Meter-Staffel der Frauen in der Besetzung Christina Hering, Christine Gess, Louisa Rieger und Lisa Petkov vorgenommen, nachdem sie im Vorjahr noch Bronze gewinnen konnten.

Dr. Kurt Mühlhäuser, Präsident der LG Stadtwerke München, war nach sorgfältigem Studieren der Ergebnislisten verständlicherweise zufrieden mit dem Abschneiden seines Vereins und wagte einen Ausblick in die Zukunft: „Erstmalig erreichte die LG Stadtwerke München in der Medaillenwertung einen Rang unter den Top Drei. Das beflügelt unsere Ambitionen, in drei bis fünf Jahren die Nummer eins in Deutschland zu werden.“

Im Vorjahr in Nürnberg hatte sich die LG Stadtwerke mit vier zweiten Rangen begnügen müssen.

Videos zu den Erfolgen der LG Stadtwerke München bei der Deutschen Meisterschaft:
Christina Hering läuft zum Titel über 800 Meter
Johannes Trefz ist Schnellster über die Stadionrunde
Münchner Quartett sichert sich Gold über 4×400 Meter
Doppelinterview mit Christina Hering & Fabienne Kohlmann

Foto: Theo Kiefner