Hallen-EM Tag 4: Ein Fehlversuch trennt Tobias Potye von einer Medaille – 60-Meter-Finale ohne Amelie-Sophie Lederer

Hallen-EM Tag 4: Ein Fehlversuch trennt Tobias Potye von einer Medaille – 60-Meter-Finale ohne Amelie-Sophie Lederer

Hochspringer Tobias Potye von der LG Stadtwerke München schrammt als Viertplatzierter bei den Halleneuropameisterschaften im polnischen Toruń nur hauchdünn an einer Medaille vorbei. Ein Fehlversuch weniger über 2,26 Meter hätten dem 25-jährigen wohl einen Podiumsplatz eingebracht. Es sollte die beste Platzierung der vier Athletinnen und Athleten sein, die die LG Stadtwerke München für diese Halleneuropameisterschaft abstellte, denn die mit der schnellsten Meldezeit über 60 Meter angereiste Amelie-Sophie Lederer schied am Sonntag in der Halbfinalrunde aus. Bei ihrer internationalen Einzelstart-Premiere kam die 26-jährige nicht richtig ins Laufen, sodass ihr als Fünfte ihres Halbfinals allenfalls noch die Zeitregel für den Finaleinzug blieb. Nach dieser fehlten der Deutschen Hallenmeisterin schlussendlich jedoch drei Hunderstelsekunden fürs Weiterkommen.

„Stolz und Ärger“ bei Tobias Potye

Potye erwischte einen optimalen Start in den Wettbewerb und übersprang seine Einstiegshöhen von 2,10 Meter und 2,15 Meter jeweils im ersten Anlauf. Nachdem er sich bei 2,19 Meter dann einen ersten Fehler erlaubte, benötigte er bei 2,23 Meter erneut nur einen Versuch. Sieben der acht Finalteilnehmer waren nun noch im Rennen und die Latte wurde auf 2,26 Meter gelegt. Während drei Springer diese Höhe auf Anhieb meisterten, blieben der Litauer Adrijus Glebauskas, der Ukrainer Dmytro Nikitin und auch der angeschlagene Mateusz Przybylko in dieser Runde ohne Erfolgserlebnis. Und Tobias Potye? Der U20-Europameister von 2013 befand sich genau dazwischen. Im Zweitversuch übersprang er die 2,26 Meter und stellte damit seine persönliche Hallenbestleistung von Ende Januar ein. Nach einem deutlich vernehmbaren Jubelschrei wird dem Münchner beim Blick auf die Anzeigetafel klar gewesen sein, was es nun zu tun galt. Allen voran der 21-jährige Belgier Thomas Carmoy war im auf vier Springer reduzierten Feld in Schlagweite. Mehr sogar: Hätte Potye die 2,26 Meter im Erstversuch geschafft, wäre er nun vor dem Belgier auf dem Bronzerang gelegen, da dieser drei Anläufe für 2,23 Meter benötigt hatte. Es entstand ein Zweikampf um Bronze, der sich bei der nächsten Höhe von 2,29 Meter entscheiden sollte. Weder der Münchner noch der Belgier hatten diese Höhe je übersprungen. Doch besonders die Versuche zwei und drei von Potye machten deutlich, dass er diese Höhe durchaus in den Beinen hat. Dennoch, die Latte fiel. Nachdem auch Carmoy bei dieser Höhe glücklos blieb, entschied schlussendlich doch die Zahl der Fehlversuche bei 2,26 Metern bei der Medaillenvergabe zugunsten des Belgiers.

Stolz und Ärger halten sich heute die Waage. Ich hatte es in der Hand, habe es dann aber aus der Hand gegeben. Ich habe versucht ruhig zu bleiben, aber wir wurden immer sehr schnell aufgerufen. Ich habe das Beste daraus gemacht, aber das war es längst noch nicht. Die 2,29 Meter, da bin ich mir sicher, hätte ich springen können. Vom ersten Einspringen bis zu 2,29 Meter hat sich ein richtiger Wandel vollzogen. Zum Ende war die Präsenz da, aber wenn ich ein bisschen früher im Wettkampf aufwache, habe ich auch keinen Fehlversuch bei 2,26 Meter, der mich dann die Medaille kostet. Respekt an die Sieger, das war eine Vorführung am Ende! Nächste Woche fahren wir ins Trainingslager, dort kann ich mich hoffentlich von den Strapazen erholen, das Knie weiter in den Griff bekommen, dann kann ich das nächste Mal auch voll draufhalten.

Tobias Potye nach seinem bislang besten Abschneiden bei einer internationalen Meisterschaft im Erwachsenenbereich


Der Kampf um Gold und Silber verlief hochdramatisch. Der Weißrusse Maksim Nedasekau schien nach zwei Fehlversuchen über 2,35 Meter schon fast geschlagen, bevor er für seinen Drittversuch 2,37 Meter auflegen ließ und diese im ersten Anlauf auch prompt überquerte. Die neue Hallen-Weltjahresbestleistung war auch erforderlich, um seinen Widersacher, den Italiener Gianmarco Tamberi (2,35 Meter), seines Zeichens Halleneuropameister von 2019, in die Schranken zu weisen.

Für den zweiten deutschen Endrunden-Teilnehmer Mateusz Przybylko (TSV Bayer 04 Leverkusen) gingen 2,19 Meter in die Wertung ein. Der Europameister von 2018 wurde von Schmerzen im Fuß geplagt, musste den Wettkampf schließlich abbrechen und belegte am Ende Rang sieben.

Eine vollständige Ergebnisübersicht zum Hochsprung-Finale der Hallen-EM 2021 finden Sie hier.

Amelie-Sophie Lederer dringt in Toruń mit einem Vorlaufsieg bis ins Halbfinale vor, wo ihr dann wenige Hunderstel zum Finaleinzug fehlen, Foto: imago images / Beautiful Sports

Amelie-Sophie Lederer kommt nicht „ins schöne Laufen“

Drei 60-Meter-Halbfinals standen am Sonntagmittag in der Arena Toruń auf dem Programm. Für den Endlauf am Abend sollten sich jeweils die zwei Erstplatzierten je Lauf sowie zwei Zeitschnellste qualifizieren. Lederer ging auf Bahn drei mit der schnellsten Reaktionszeit aller acht Läuferinnen ins Rennen, doch anders als noch bei der Hallen-DM in Dortmund konnte sie in der Folge keinen Boden gegenüber der Konkurrenz gut machen. Es blieb bis zum Ende eng und im Ziel hatten die Finnin Lotta Kemppinen (7,24 Sekunden), die Französin Orlann Ombissa-Dzangue, die Schwedin Claudia Poyton (beide 7,26 Sekunden) sowie die Italienerin Vittoria Fontane (7,28 Sekunden) leichte, aber entscheidende Vorteile gegenüber der Münchnerin. 7,29 Sekunden leuchteten für die Deutsche Hallenmeisterin auf. Als Fünftplatzierte ihres Halbfinals war auch das Hoffen auf ein Weiterkommen über die Zeit vergebens. 7,26 Sekunden wären dafür nötig gewesen.

Lederer hatte sich nach ihren Vorleistungen durchaus Hoffnungen auf den Finaleinzug machen dürfen. Die Münchnerin brachte mit ihrer persönlichen Bestzeit von 7,12 Sekunden – aufgestellt bei der diesjährigen Hallen-DM in Dortmund – sogar die schnellste Meldezeit aller angetretenen Läuferinnen mit in den Wettbewerb. Mit einem Vorlaufsieg in 7,30 Sekunden war Lederer am Sonntagvormittag aussichtsreich in den Wettbewerb gestartet. Im 40 Teilnehmerinnen umfassenden Feld platzierte sie sich schlussendlich als 13.

Trainer Patrick Saile musste feststellen, dass seine Athletin in diesem Wettbewerb nicht „ins schöne Laufen“ kam, bleibt angesichts der jüngsten Erfolge in der Halle aber sehr optimistisch für den Sommer.

Ich weiß nicht genau, woran es gelegen hat. Ich hätte gern meine Form von Dortmund noch einmal bestätigt. Ich habe es hier bis ins Halbfinale geschafft, das Finale wäre natürlich noch schöner gewesen. Ich bin gelassen an die EM herangegangen, wollte mich nicht unter Druck setzen und schöne Rennen zeigen. Leider ist mir das nicht gelungen. Die Beschleunigung war im Halbfinale schon besser als im Vorlauf, aber ich bin nicht richtig ins Rennen reingekommen. Insgesamt war es für mich eine erfolgreiche Hallensaison, mit der ich nicht gerechnet hatte. Den Schwung will ich mit in den Sommer nehmen und mich dort für Olympia empfehlen. Das Ziel ist ein Einzelstart.

Amelie-Sophie Lederer nach ihrem verpassten Finaleinzug in Toruń


Das Ergebnis-Tableau von Lederers Halbfinalrennen finden Sie hier. Mit Jennifer Montag (TSV Bayer 04 Leverkusen) hat es eine von drei deutschen Sprinterinnen im Wettbewerb in den Endlauf am Sonntagabend geschafft.

Aufzeichnungen der Wettbewerbe der Halleneuropameisterschaften 2021 gibt es hier.

Beitragsbild: imago images / Chai v.d. Laage

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