Christina Hering, Deutschlands auf nationaler Ebene erfolgreichste 800-Meter-Läuferin, peilt im nächsten Jahr die Olympischen Spiele in Tokio an, für die sie bereits seit 2019 qualifiziert ist. Und sie möchte 2022 bei der Heim-EM im Münchner Olympiastadion bestmöglich abschneiden. Konstanz ist der Schlüssel, um im Mittelstreckenlauf erfolgreich zu sein. Wer hier über einen langen Zeitraum akribisch arbeitet, wird im Wettkampf die entsprechenden Erfolge erzielen. Genau das scheint der Vorzeigeläuferin der LG Stadtwerke München ausgezeichnet zu gelingen. Zusätzlich setzt die vielfache Deutsche Meisterin über 800 Meter in einem weiteren Bereich auf Kontinuität: Ihren Kontrakt mit der LG SWM hat sie jüngst um zwei weitere Jahre verlängert.

Seit jeher Athletin der LG SWM

2004 hat sie beim PSV München – einem Gründungsmitglied der LG München im Jahr 1987 – mit der Leichtathletik begonnen. Auch 16 Jahre später kommt für die heute 26-jährige kein anderer Club in Frage.

Ich finde es schön, von klein auf beim selben Verein zu trainieren und Wettkämpfe zu bestreiten. Ganz besonders freue ich mich im Hinblick auf die EM 2022, dass ich in meiner Heimatstadt als LG-Stadtwerke-München-Athletin vorgestellt werden kann.

Christina Hering über ihre Verbundenheit zur LG SWM

   


Die dreifache WM- (2019, 2017, 2015), zweifache EM- (2016 und 2018) und Olympiateilnehmerin (2016) ist schon jetzt die erfolgreichste LG-Stadtwerke-München-Athletin aller Zeiten. Am 9. August dieses Jahres gewann sie bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig ihren bereits elften (!) nationalen Titel über 800 Meter. Wie sie dieses Rennen angegangen ist, erzählte sie vor kurzem im Leichtathletik-Podcast von Mainathlet (Link zur Folge).

Mit einer Bestleistung von 1:59,41 Minuten sowie sechs Freiluft- und fünf Hallentiteln bei deutschen Meisterschaften ist sie die fleißigste Titelsammlerin über die zwei Stadionrunden seit der Wiedervereinigung. Hinzu kommen weitere (Gold-)Medaillen in den Nachwuchsaltersklassen und mit Staffeln.


Wettkampfpraxis statt Olympische Spiele

2020 nutzte sie, um bei einer Serie internationaler Rennen Wettkampferfahrung auf großer Bühne zu sammeln. Unter anderem zwei vierte Plätze bei Diamond-League-Wettkämpfen in Stockholm und in Rom zeigten ihr, dass sie auf globaler Ebene absolut konkurrenzfähig ist. Derartige Erfolge geben Selbstbewusstsein für zukünftige Großereignisse. Allen voran sind hier die Olympischen Spiele zu nennen, die infolge der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben worden sind. Die Norm zur direkten Qualifikation von 1:59,50 Minuten hat sie bereits 2019 unterboten. Dieses Jahr wäre für eine Teilnahme vom DOSB eine Zeit von unter 2:00,50 Minuten als Leistungsnachweis nötig gewesen, was ihr am 25. August im polnischen Chorzów (2:00,47 min) gelang. Seit dem 1. Dezember ist das Qualifikationszeitfenster für Tokio wieder geöffnet.

Ich würde mich freuen, wenn die Kriterien für meine Teilnahme frühzeitig bekannt sind. Das würde Druck rausnehmen und die Vorbereitung erleichtern.

Nicht nur für Christina Hering gibt es auf dem Weg nach Tokio noch einige Unbekannte

   

2020 suchte Christina Hering (rechts) vielfach den Vergleich mit der internationalen Konkurrenz – hier in illustrer Runde mit Selina Büchel (Bestleistung: 1:57,95 min), Hedda Hynne (1:58,10 min) und Rénelle Lamote (1:58.01 min; v.l.n.r.); Foto: www.instagram.com/runningfischi

Nach der Olympia-Absage für dieses Jahr hatte ich mich schon damit abgefunden, dass keine Wettbewerbe mehr stattfinden. Rückblickend bin ich aber sehr froh, dass doch einige Events durchgeführt werden konnten.

Christina Hering über den versöhnlichen Verlauf des Wettkampfjahres 2020


Auf ungewohntem Terrain

Neben einer Reihe starker Ergebnisse in ihrer Spezialdisziplin bleibt aus diesem Jahr auch noch eine hervorragende Zeit über 1.500 Meter. In beeindruckenden 4:08,30 Minuten bewältigte die 1,85 Meter große Athletin Mitte September die für sie ungewohnte Distanz in neuer oberbayerischer Rekordzeit. Nur zwei deutsche Läuferinnen waren in dieser Saison schneller.

Das ISTAF, bei dem ich die 1.500 Meter gerannt bin, gehört schon immer zu meinen Lieblingsmeetings. Es waren sogar 3.500 Zuschauer zugelassen, die tatsächlich für gute Stimmung gesorgt haben. Das Resultat hat mich positiv überrascht und zeigt, dass ich ein neues Ausdauerlevel erreicht habe.

ISTAF-„Fan“ Christina Hering über das diesjährige Meeting


Heim-EM wirft Schatten voraus

Neben Tokio richtet sich ihr Blick schon jetzt auch auf das übernächste Jahr. Die Europameisterschaften im Jahr 2022 scheinen wie auf Hering zugeschnitten: Eine EM in ihrer Heimatstadt, in ihrer Sportart, an ihrem Trainingszentrum, am Ort der Olympischen Sommerspiele von 1972. Die Sportsoldatin wird bei dem Event 27 Jahre alt sein, kurz darauf 28 werden. Sie hat ihren Management-Master an der TU München unlängst beendet und kann sich bis dahin voll auf den Leistungssport fokussieren. Die Rahmenbedingungen stimmen also, damit Munich 2022 ihr emotionaler Karrierehöhepunkt werden kann. Als Teil der sogenannten Class of 22 zählt sie zu den 13 Gesichtern, die auf ihrem Weg zu den European Championships begleitet werden. Bis zum Termin des Multisport-Events dürfen sich Fans auf umfangreiche Eindrücke aus dem (Trainings-)Alltag der ausgewählten Sportler*innen freuen.

Support & Konkurrenz aus dem eigenen Lager

Wenn es in nicht bereits in Tokio klappt, ist die Heim-EM die ideale Gelegenheit für eine Finalteilnahme bei einem internationalen Großereignis bei den Erwachsenen. Denn diese fehlt bislang noch in ihrer Vita. Unterstützung und gleichzeitig Konkurrenz für diese Zielstellung bekommt sie durch ihre erfolgreiche Trainingsgruppe, zu der unter anderem Doha-WM-Teilnehmerin Katharina Trost gehört. Über ihre Trainingsgruppe sagt „Fischi“, wie sie aufgrund ihres Nachnamens von ihren Trainingskameraden gerufen wird:

Ich bin mittlerweile die Älteste. Als ich noch mit Fabienne Kohlmann trainiert habe, konnte ich mich immer ein bisschen verstecken, weil sie fünf Jahre älter war. Das geht schon länger nicht mehr. Aber ich finde es klasse, dass immer wieder junge leistungsstarke Sportlerin dazustoßen. Zuletzt haben wir mit Anastasia Vogel eine schnelle Langhürdensprinterin gewonnen. Sie wird mich sicher bei kürzeren Tempoläufen fordern.

Christina Hering über ihre Münchner Trainingsgruppe

  

Es macht uns sehr stolz eine Athletin und Persönlichkeit wie Christina in unseren Reihen zu haben und gemeinsam mit ihr nun auch den nächsten Höhepunkten bis hin zu den Europameisterschaften in unserer Stadt entgegen zu gehen. Seit dem Gewinn ihres ersten DM-Titels über 800 Meter im Jahr 2014 hat sie nichts von ihrem Trainingsfleiß, von ihrer Freude am Wettbewerb und ihrer Leidenschaft für den Mittelstreckenlauf eingebüßt. Im Gegenteil: Wie souverän sie 2020 – trotz aller Widrigkeiten – die nationalen Meisterschaften gewonnen und es anschließend mehrfach und erfolgreich mit den Besten der Welt aufgenommen hat, war einmal mehr vorbildhaft und bestaunenswert. Es hat uns viel Freude bereitet, Christinas bisherige Karriere zu begleiten und sie bei ihren Zielen zu unterstützen. Bis zum Münchner EM-Sommer im Jahr 2022 sind noch einige Etappen zu meistern. Es ist uns ein Bedürfnis, diese gemeinsam mit und für Christina anzugehen.

LG-SWM-Geschäftsführer Christian Gadenne über Christina Hering


Bleibt Hering – wie ihrem Verein – auch ihrem Trainingseinsatz treu, woran niemand ernsthaft zweifelt, wird mit ihr sowohl in Tokio 2021 als auch in München 2022 fest zu rechnen sein.

Beitragsbild: Marcus Buck
Alle weiteren Fotos, wenn nicht anders angegeben: Theo Kiefner